Autobahnraststätte Siegburg Ost. Auf dem Teller: die obligatorische Currywurst mit Pommes. Darüber:
Gusticus
Gusticus – was ist das für ein Name?
Ein Boomer-Witz à la "Gusticus, kommt das von Gustav – ho ho"?
Von Gusto, dem Geschmack? Ziemlich ambitioniert bei der Currywurst.
Gusticus? – Gusticus? Klingt nach Asterix –
und tatsächlich: Diese Spur führt uns zum legendären:
Centurio Gaius Gusticus
Präfekt von Colonia Claudia Ara Agrippinensium anno 38 v. Chr. – oder wie wir sagen würden: Köln im Jahr Minus Achtunddreißig.
Damals verlief dort übrigens die Via Appia Tertia (Appia III) – heute besser bekannt als A3.
Die Ursprünge der Wurst
Die Currywurst wurde ursprünglich in Rom erfunden –
als Salsicia calida cum pulvere orientali.
Ein weiterer Fail der Römer: Calida – angeblich „warm“,
in Wirklichkeit meist lauwarm bis kalt.
Die Germanen, vom Wettergott nicht gerade verwöhnt, machten kurzen Prozess:
Wurst muss heiß. Punkt.
Eingeschleppt wurde sie von Centurio Gaius Gusticus.
Wie Funde an der Grabungsstätte Brenner Mautstation Sterzing zeigen.
Eine invasive Art – nicht nur die Gaiusse,
sondern vor allem die Salsicias.
Oder doch Salsiciä? Noch heute wird gerätselt,
ob sie entkam oder ausgewildert wurde.
Fakt ist:
Sie hat Tofu-Schnitzel, Grünkern-Bratling und Spinat
aus dem Speiseplan der germanischen Legaten verdrängt.
Sie beendigte die germanische
„Fleisch-am-Stiel-Epoche“ – Keulen, Haxen, Flügel, alles mit Griff – annähernd sofort.
Zumal „Fünf Bier sind auch eine Mahlzeit“ noch über 1500 Jahre auf Freigabe durch das „deutsche Reinheitsgebot“ warten musste.
Schon damals war die germanische Bürokratie gründlich, aber nicht besonders flott.
Der deutsche Widerstand – am Spieß
Während der Rest der Welt zivilisiert mit Besteck isst,
blieben wir dem Stil treu – dem Stiel.
Vielleicht war es sogar Widerstand –
gegen das römische Besteckdiktat.
Nicht aus Not, sondern aus Prinzip
begann man, die Currywurst mit kleinen Holzspießchen zu essen –
als symbolischen Knochenersatz.
Die Römer hingegen versuchten vergeblich,
Currywurststücke auf der Gabel zu drehen.
Fazit:
Wer hätte gedacht, dass in jeder Currywurst ein kleines Stück antiker Rebellion steckt?
Gold vs. Ketchup
Der Weg von der Salsicia zur Currywurst
war ein Akt radikaler Ökonomisierung.
Der Römer verband Essen mit Status.
Es wurde nicht gegessen, es wurde repräsentiert.
Die Salsicia kam im Liegen, gerne mit Goldstaub –
nicht wegen des Geschmacks,
sondern weil man es sich leisten konnte, Metall auszuscheiden.
Heute kennt man das als Dubai-Currywurst.
Ganz anders der Germane, speziell der Alemanne:
Arbeit war gottgewollte Frömmigkeit.
Frömmigkeit duldet keine Mittagspause.
Wer im Liegen isst, sündigt am Bruttosozialprodukt.
Also ersetzte man Gold durch Ketchup.
Gleiche Farbe, bessere Haftung, günstiger.
Das teure Gewürz der Cäsaren
wurde zum profanen Currypulver –
maximaler Geschmack bei minimaler Investition.
Die Currywurst ist also die Salsicia des kleinen Mannes –
befreit vom Protz, optimiert für den Verzehr im Stehen,
während der Dieselmotor draußen an der Zapfsäule
schon wieder ungeduldig hustet.
Warum eigentlich Gusticus?
Ach, wir waren bei Gusticus, nur weil –
na ja, weil.
Fragen wir anders:
Kennen Sie deutsche Autobahnparkplatztoiletten?
Genau deshalb: Autobahnraststätte.
Deshalb Gusticus.
Und davor: Sanifair – für die Gattin.
Ein Euro fürs Pinkeln.
Dieser Euro kann anschließend bei Gusticus eingelöst werden.
Kann – bzw. muss, wenn man Schwabe ist.
Currywurst mit Pommes: 9,90 € (minus 1 € Sanifair-Pinkelbonus). Klingt fair.
„Ketchup + Mayo dazu?“ – „Klaro.“ – „10,90 €.“
Fuck. Fuck. Fuck.
Was genau ist eigentlich fair an Sani,
wenn man anschließend bei Gusticus geschröpft wird?

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