Mittwoch, 18. März 2026

Profi

 Bin ich eher nicht. Und wenn es ums Schwimmen geht, schon zweimal nicht.

Trotzdem gehe ich seit über drei Jahren regelmäßig schwimmen. Als Ausgleich, für die Fitness, fürs Wohlbefinden und weil mir das damals in der Reha geraten wurde. Vier- bis fünfmal die Woche, 30 Minuten.

Für meinen Körper.

Für meinen Kopf.

Für mich.

Und dann gibt es noch die anderen.

Rasierte Beine, rasierte Brust, rasiert alles, was sichtbar ist. Badekappe nicht wie aus unserer Jugend, sondern aus Gummi, mit Aufdruck, gerne auch neonfarbig. Schwimmbrille mindestens verspiegelt oder besser noch gold-bronze-versprenkelt. Smartwatch oder Fitnessarmband, eventuell sogar ein Brustgurt, um die Atmung aufzuzeichnen.

Die Badebekleidung: keine schlabberige Badehose, aber auch nicht diese ordinären Speedos. Man richtet sich auf seiner Bahn ein. Der Trainingsplan liegt einlaminiert am Beckenrand. DIN A4.

Und gar nicht zu vergessen: eine Getränkeflasche.

Eine Getränkeflasche? Im Wasser? Beim Schwimmen? Ernsthaft?

Ich nehme doch kein Hähnchen mit zum Wienerwald.

Ich bin immer versucht, mal demonstrativ ein Weizenglas an den Beckenrand zu stellen.

Wenn man unterwegs Durst im Wasser bekommt, kann man den stillen. Wieso haben die dann nicht auch eine Windel an, falls die Flüssigkeit raus muss? Oder nehmen sie deshalb Flüssigkeit aus einer separaten Flasche?

Ich selbst gehe übrigens vor dem Schwimmen aufs Klo. Und danach. Nur fürs Protokoll.

Jetzt gehe ich ja nicht mehr ins Stadtbad Kornwestheim, sondern ins Vereinsschwimmbecken meines Schwimmvereins. Die Profis sind dort in deutlicher Überzahl. Aber es sind einfach richtige Profis. Nicht das Pseudo-Gehabe der Wannabes im Stadtbad.

Ich erkenne schon, wer gleich zur Umkleide reinkommt: Wenn man das hektische Klacken von Radschuhen hört, dauert es nur noch eine Hundertstelsekunde, bis der zugehörige Athlet auftaucht, hektisch sein Trikot in die Ecke pfeffert und immer noch im Laufschritt die Radschuhe aus- und die Badekleidung anzieht.

Und erstaunlich ist, dass beim echten Triathlon erst das Schwimmen kommt und nicht umgekehrt. So wie die auftreten, könnte man meinen, sie kommen angeradelt, gehen kurz schwimmen, radeln noch mal 180 Kilometer und laufen danach nach Hause.

Egal.

Ich bin im Schwimmverein nur, damit ich ganzjährig schwimmen gehen kann. Zu einem günstigen Preis.

Profi bin ich keiner.

Dafür regelmäßig.

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