Schon seit Jahren - will ich mich bei der Prokrastinationsambulanz anmelden.
Würden sich die Patienten anmelden - gäbe es Prokrastinationsambulanzen.
Samstag, 5. September 2026
Vorsatz
Dienstag, 25. August 2026
Schnuffi
Und dann das Porträt des Hundes auf der Wade. Schnuffi – 14 Jahre lang ein treuer Begleiter – unvergessen.
Auch da stellen sich schon wieder zwei Fragen: Wieso auf der Wade? Da sieht man ihn selber nur schwer und die anderen eigentlich nur im Weggehen.
Zweitens setzt es die Messlatte für den zweiten oder auch dritten Hund ganz schön hoch, wenn sie immer an diesem alten Schnuffi gemessen werden.
Und ach, noch ein Drittens: Das muss man einfach so sagen. Bin ich froh, dass er sich nicht für seine Lieblingszwerghamster entschieden hat. Die haben nur eine Lebenszeit von zwei Jahren.
Der hätte inzwischen eine imposante Hamsterherde auf dem Körper.
Montag, 24. August 2026
unsterblich
100 Jahre würde ich werden,
dürfte ich dereinst die in Telefonwarteschleifen verbrachte Zeit nachleben.
Unsterblich würde ich werden,
verbrächte ich sie wieder in Telefonwarteschleifen.
Mittwoch, 12. August 2026
Venus im Stadtbade
Botticelli kannte ja noch keine Freiwillige Selbstkontrolle, deshalb musste die Venus im Stadtbade erst mal einen Bikini bekommen.
Dienstag, 11. August 2026
verlupft
Ich habs im Kreuz. Einen Hexenschuß wie schon lange nicht mehr. Hatte mich gestern verlupft. "Mir ischs neigfahra" als ich die zweijährige Enkelin auf meinen Arm nahm.
So schlimme Kreuzschmerzen hatte ich die letzten dreiunddreißig Jahre nicht mehr.
Damals "ischs mir neigefahra" als ich die zweijährige Tochter auf den Arm nahm. Wie die Zeit vergeht.
Montag, 10. August 2026
Samstag, 1. August 2026
bodenlos
Freitagabend. Kochkraft durch KMA
auf der Schwaneninsel in Waiblingen. Minibühne.
Eintritt nach Selbsteinschätzung:
20, 25 oder 30 Euro. Ich nehm die Mitte. Zahl 25 Euro – das schmerzt den
Schwaben in mir. Noch mehr schmerzt mein Mittelmaß: Warum keine 30?
Vor dem Konzert esse ich noch einen
Wurstsalat. Drückende Hitze. Zirka fünfzig Zuschauer.
Kurz nach acht fängt es an.
Die vier auf der Bühne scheinen
riesigen Spaß zu haben. Junge Leute, die begeistert etwas machen. Vom ersten
Takt an ist Lana in Bewegung. Singt, hüpft, tanzt, macht.
Fast noch begeisterter ist die Frau
am Keyboard. Sie freut sich, lacht und grinst. Sollte sie keinen Spaß haben,
weiß ihr Gesicht nichts davon.
Nach einer halben Stunde tröpfelt
es. Wind zieht auf. Das Volk will weitermachen. Die Band auch.
Die haben Bock. Gut so.
Nach einer Stunde meines üblichen
Kopfnickens und der fast unsichtbaren Gewichtsverlagerung auf den linken Fuß –
ja, das ganze Bein – hält es mich nicht mehr.
Ich hüpfe. Erst nur angedeutet, von
einem Bein aufs andere. Ich bin erstaunt, dass ich das dreißig Sekunden lang
ohne Sauerstoffzelt schaffe. Einen ganzen Song? Nein. Aber ein Anfang.
Warum ausgerechnet Kochkraft mich
so mitgenommen hat, kann ich gar nicht sagen.
Vielleicht das Underdog-Ding. Mit
Underdogs identifiziere ich mich gerne und oft. Vermutlich meistens zu Unrecht.
Vier Menschen machen Musik.
Scheißegal, was die Welt davon hält.
Die machen ihr Ding. Erzählen
nebenher, dass sie alle noch arbeiten müssen. Dass sie heute Morgen mit einem
gemieteten Kleinbus von Duisburg nach Waiblingen gefahren sind.
Nicht einmal den bestellten
bekommen. Erst mal zwei Reihen Sitzbänke ausbauen. Das Equipment aus den Cases
nehmen, damit man es enger stapeln kann. Kein Platz für den Merch.
Kein glorreiches Nightlinerleben.
Kein Heli, der die Stars die
letzten Meter einfliegt. Mehr Jugendhaus als Rock am Ring.
Und dann dieser Spaß. Wie kann man
so einen Spaß versprühen?
Nicht: Seht her, was wir erreicht
haben.
Eher: Seht her, wir sind da.
Vielleicht war es das.
Dreiundsechzig. Ich bin der
Älteste. Bestimmt.
Die anderen eine, eher zwei
Generationen jünger.
Nicht dass ich unbedingt jünger
sein möchte.
Aber dieses Unbeschwerte hätte ich
schon gern. Diese Energie. Diese Selbstverständlichkeit, mit der man hüpft,
tanzt, macht, ohne sich vorher eine Genehmigung dafür auszustellen.
Von meiner eigenen Alterskohorte
fühle ich mich längst entkoppelt. Zu den Jüngeren gehöre ich aber auch nicht.
Doch hier muss ich nirgends
dazugehören.
Vier Menschen, die nichts
darstellen, sondern etwas machen. Laut, begeistert und ohne Sicherheitsabstand
zu sich selbst.
Und ich stehe anonym zwischen all
den Menschen, die mich nicht kennen. Die nichts von mir erwarten. Die nicht
wissen, wer ich bin, wer ich sein sollte und woran ich gerade scheitere.
Ich muss niemanden bewerten,
niemanden kleinmachen, mich über niemanden stellen.
Es gibt keine Gegner.
Nicht einmal Mitbewerber.
Advantage me.
Ich muss mich nicht behaupten.
Ich bin keiner.
Und genau deshalb kann ich ich
sein.
Scheiße:
Ihr habt Spaß?
Den will ich auch.
Eine Viertelstunde später werde ich
für meine Verhältnisse völlig ekstatisch.
Ich springe. Beidbeinig.
Nicht besonders hoch. Nicht
besonders lange. Nicht einmal besonders rhythmisch.
Aber der Körper – für Mikrosekunden
ohne Bodenberührung.
»In der Luft« wäre übertrieben.
Das Publikum um mich herum hat mehr
davon. Die Band sowieso.
Aber hey:
Ich habe Spaß.
Für Mikrosekunden ohne
Bodenberührung.
Donnerstag, 30. Juli 2026
Das letzte Selfie
Nix hat stattgefunden, wenn es kein Bild davon gibt. Ein Fotofinish, das Wembley-Tor oder eben ein Selfie. Wobei das Wembley-Tor beweist, dass selbst ein Bild nichts beweist. Es ermöglicht nur, dass man sechzig Jahre lang dasselbe Bild anschaut und weiterstreitet.
Trotzdem wissen wir heute, anno Domini 2026, mit schmerzhafter Gewissheit:
Kein Bild, kein Ereignis.
Zum Glück hatte einer der Jünger sein Smartphone dabei beim Abendmahl. Sonst würden wir heute noch diskutieren, ob das Ganze überhaupt stattgefunden hat oder ob es sich – wie bei so vielem, das man nur vom Hörensagen kennt – am Ende doch nur um eine hübsche Legende handelt.
Aber nein.
Hier ist das Foto.
Jesus in der Mitte. Die Jünger drum herum. Alle etwas enger zusammenrücken. Hinten sieht man dich nicht. Petrus, Kopf ein bisschen nach links. Thomas, nicht so skeptisch schauen.
Judas auch mit drauf.
Einer hält den Arm nach vorne, alle schauen ins Smartphone und natürlich weiß mindestens einer nicht, wo die Kamera ist.
Wie bei jedem Gruppenbild.
Auch erstaunlich:
Keiner isst.
Das Abendmahl wird unterbrochen, damit festgehalten werden kann, dass das Abendmahl stattfindet. Eine frühe Form dessen, was wir heute bei jedem Ausflug, Konzert und Restaurantbesuch machen.
Das Ereignis wird kurz angehalten, um zu beweisen, dass man daran teilnimmt.
Leonardo da Vinci hatte diese Möglichkeit nicht. Kein Handy. Kein Selfie-Stick. Keine Frontkamera. Nicht einmal Weitwinkel.
Er musste sich mit Pinsel und eigener Vorstellungskraft behelfen.
Und das Ergebnis kennt man:
Dreizehn Männer, fein säuberlich aufgereiht auf einer Seite eines sehr langen Tisches. Die andere Seite bleibt leer.
Surrealistisch.
Hätte man das damals schon so genannt.
Kein vernünftiger Mensch würde so zu Abend essen. Wie bei einer Familienfeier, bei der niemand neben der Schwiegermutter sitzen will und deshalb alle gegenüberliegenden Plätze vorsorglich frei bleiben.
Man könnte fast meinen, Leonardo hatte einfach keine Lust, die Rückenansichten von zwölf Aposteln zu malen.
Und wer wollte ihm das verübeln.
Mit einem Smartphone wäre das nicht nötig gewesen. Ein Arm nach vorne, kurz die Reihenfolge sortiert und fertig ist die Ikone.
Keine Tischordnung nach Wichtigkeit. Kein stundenlanges Nebeneinandersitzen für die Nachwelt. Keine Überlegung, wie man dreizehn Männer vollständig ins Bild bekommt, ohne wenigstens einen von hinten malen zu müssen.
Nur ein Klick.
Und die Ewigkeit ist dokumentiert.
In Wackelunschärfe, mit abgeschnittenem Petrus und einem Daumen halb im Bild.
Man fragt sich, was Leonardo daraus gemacht hätte. Vermutlich hätte er auch das noch so lange perfektioniert, bis es aussieht wie Kunst.
Wir haben nur ein Selfie daraus gemacht.
Das muss reichen.
Erstaunlich an diesem Bild ist allerdings weniger, dass es beweist, was jeder längst ahnte:
Leonardos Idee, dreizehn Männer auf eine Seite des Tisches zu setzen, war falsch.
Erstaunlicher ist, wie früh der Mensch aufgehört hat, das eigentliche Ereignis festzuhalten. Auf den ersten Höhlenzeichnungen ging es noch um das Essen.
Bisons. Hirsche. Pferde.
Beim Abendmahl ging es immerhin noch um Menschen beim Essen. Beim Abendmahl-Selfie geht es nur noch um die Menschen, die beweisen müssen, dass sie beim Essen gewesen sind.
Das Essen wird zur Tischdekoration.
Heute sind wir wieder einen Schritt weiter.
Heute fotografieren wir wieder das Essen.
Allerdings erst, nachdem es kalt geworden ist.
Ich würde es ja so machen — Embargo
Ich würde es ja so machen.
Ich würde ein Land aushungern.
Nicht mit Bomben.
Mit Sanktionen.
Das klingt ordentlicher.
Ich würde es ja so machen.
Kein Öl für den Staat.
Medikamente werden knapp.
Die Energieversorgung bricht zusammen.
Nicht alles verbieten.
Nur alles verknappen.
Ich würde es ja so machen.
Dann würde ich warten.
Nicht mehr drohen.
Nicht mehr fordern.
Nur warten,
bis die staatliche Versorgung
von selbst zusammenbricht.
Ich würde es ja so machen.
Dann würde das Land
private Energieunternehmen erlauben.
Private Apotheken.
Private Altenpflege.
Freiwillig,
würde es heißen.
Eine souveräne
Entscheidung.
Ich würde es ja so machen.
Und plötzlich
dürfte ich wieder liefern.
Nicht an den Staat.
Das bliebe verboten.
An private Firmen.
Und wenn mich einer fragt,
wer hier wen erpresst —
Ich würde sagen:
niemand.
Das Land
hat seinen Markt
doch selbst geöffnet.
Inspiriert von einer Meldung des Deutschlandfunks vom 30.07.2026 über die Öffnung kubanischer Wirtschaftssektoren für Privatunternehmen.
Sonntag, 26. Juli 2026
Abendmahl
13 Leute.
Jesus und seine zwölf Jünger – alle an einem Tisch.
Und wie uns Leonardo zeigt: an einem langen Tisch. Einem sehr langen Tisch.
Dreizehn Leute nebeneinander – auf einer Seite.
Alle.
Nebeneinander wie der Elferrat bei der Säschn.
Komisch – hier steht „Session“.
Ah, jetzt: das wird deutsch gesprochen. Sess-ion.
Humorlos, wie sich’s gehört.
Allerdings nur elf.
Sonst wäre es ja ein Dreizehnerrat und kein richtiger Elferrat.
Oder nebeneinander wie ein deutsches Ehepaar.
Mit Hund. Im Restaurant.
Kein Dreierrat und auch kein Dreirad.
Nebeneinander:
Karl-Heinz,
der Tragedackel
und Susanne.
Jesus mit seinen Jüngern.
Nur Männer. Keine Frau.
Elferrat: Auch die Prinzessin – natürlich ein Mann.
Hier: null gespielte Frauen.
Dort: eine – gespielt von einem Mann.
Gleichstellung, solange sie vom eigenen Geschlecht gespielt wird.
Nebeneinander wie bei einer Pressekonferenz.
Elf Männer.
Mancher mit Orden, mancher mit Restalkohol.
Überzeugt, Humor sei etwas, das man laut ankündigen muss:
Ta-Töööö!
Eine Männerclique, die sich selbst beklatscht.
Elferrat oder Elf-Verrat?
Elf Verräter.
Verraten haben sie, dass sie ohne Pappnase humorlos sind.
Dass am Aschermittwoch alles vorbei ist.
Vor allem der Witz. Falls der je da war.
Ta-Tööö!
Beim Abendmahl: dreizehn beim Essen.
Beim Elferrat: elf beim Trinken.
Dort nur einer, der verrät.
Hier elf Verräter.
Nebeneinandersitzer – die drei auf der Frühstücksterrasse.
Quadratische Tischchen, gedacht für gegenüber.
Aber nicht für Karl-Heinz und Susanne.
Sie schnappen sich ein zweites Tischchen, rücken die Stühle um:
Rücken zum Saal. Gesicht zur Wand. Aber nebeneinander.
Vor ihrem Hund sprechen sie sich mit Vati und Mutti an.
Der Tragedackel sitzt in der Mitte. Auf einem Stuhl.
Eine Rasse, die anscheinend auf dem Arm lebt.
Vielleicht sollte man Hunde mit Tragegriff züchten.
Ergonomisch. Beinlos vielleicht – optional.
Stoßen sie lieber mit den Ellbogen aneinander, als sich anzusehen?
Tauschen sie halbstündig die Plätze – wegen drohender Nackensteife?
Wann begann das, dass sie sich nicht mehr anschauen – konnten?
Vielleicht zur selben Zeit, als Leonardo da Vinci beschloss, das Abendmahl zu malen.
Dieser Mann, der fast den Hubschrauber erfunden hätte.
Perfekte Raumperspektive, fluchtende Wände, Meisterwerk der Renaissance –
aber bei der Sitzordnung schummelte da Vinci wie auf einer Theaterbühne:
Dreizehn Menschen.
Alle auf einer Seite.
Damit man ihre Gesichter sieht.
Keine Ecken besetzt. Kein Gegenüber.
Keine Tischordnung wie im Leben.
Nebeneinander.
Die Dreizehn. Die Elf. Die Drei.
Hätte Leonardo doch einfach einen Acht-Meter-Selfiestick erfunden.
Da Vinci hatte keinen.
Sonst hätten sie sich alle selbst fotografiert.
Der Kleine
Mein Geburtstag, wie jedes Jahr am 18. September. Damals der fünfte - Geburtstag.
Morgens um kurz nach vier wach, die Eltern geweckt und nach den Geschenken gefragt.
"Schlaf noch ein Bisschen, bis der Zeiger am Wecker ganz unten ist"
okay ich versuche zu schlafen.
Um halb fünf nochmal nach den Geschenken gefragt.
"Der KLEINE Zeiger ganz unten"
Donnerstag, 23. Juli 2026
Ich würde es ja so machen - Machterhalt
Ich würde hartnäckig behaupten,
Nicht einmal. Nicht zweimal.
Immer wieder. Und wieder.
So lange,
bis ein Teil der Menschen
es nicht mehr glaubt.
Sondern weiß.
Ich würde es ja so machen.
Ich würde mir eine Inlandspolizeitruppe aufstellen.
Unter dem Vorwand,
illegale Ausländer zu finden,
festzunehmen
und abzuschieben.
Nein.
Ich würde sie natürlich nicht Gestapo nennen.
Ich würde ihr einen modernen,
Namen geben. Technokratisch. Kühl.
ICE zum Beispiel.
Ich würde es ja so machen.
Noch vor den kommenden Zwischenwahlen
würde ich die Wahlprozedur verkomplizieren.
Nicht die Wahlen abschaffen.
Um Gottes willen.
Nur die Regeln ändern.
Ein Formular mehr.
Ein Nachweis mehr.
Eine Frist weniger.
Ein Wahllokal weniger.
Alles natürlich nur,
um die Wahl sicherer zu machen.
Denn wer könnte schon
gegen sichere Wahlen sein?
Und wenn am Ende
ein paar Hunderttausend Menschen
nicht mehr wählen können,
dann wäre das eben der Preis
für die Demokratie
und die Sicherheit.
Ich würde es ja so machen.
Und natürlich
dürften weiterhin alle wählen.
Alle,
die sich am Wahltag
noch auf die Straße trauen.
Die an meiner Gestapo vorbei—
Entschuldigung.
An meiner ICE-Truppe.
Die ihre Papiere dabeihaben.
Die nicht zufällig
falsch aussehen.
Die nicht zur falschen Zeit
am falschen Wahllokal stehen.
Die nichts zu verbergen haben.
Also wirklich alle.
Für die Demokratie.
Und die Sicherheit.
Ich würde es ja so machen.
Ich würde vielleicht sogar
einen bewaffneten Konflikt
vom Zaun brechen.
Nicht unbedingt,
weil er notwendig wäre.
Nur für den Fall.
Für den Fall,
dass man plötzlich
einen äußeren Feind braucht.
Einen Ausnahmezustand.
Eine Begründung,
warum Kritik gerade
unpatriotisch ist.
Warum Freiheit
noch ein wenig warten muss.
Und warum Wahlen
im Moment wirklich
nicht das Wichtigste sind.
Natürlich nur
für die Demokratie
und die Sicherheit.
Ich würde es ja so machen.
Nach den Zwischenwahlen
würde ich mich zum Sieger erklären.
Unabhängig vom Ergebnis.
Gewinnen die anderen,
war es Betrug.
Gewinne ich,
war es nur durch meinen persönlichen Einsatz
für die Demokratie
und dafür,
dieses Land
wieder groß zu machen.
Das Ergebnis stünde also fest.
Nur die Begründung
richtete sich danach,
wer gewonnen hat.
Ich würde es ja so machen.
Ich würde erklären,
dieser Kampf dürfe jetzt
nicht unterbrochen werden.
Schon gar nicht
durch Wahlen.
Denn es gebe nur eine Person,
die Sicherheit,
Ordnung
und Demokratie
auch in Zukunft garantieren könne.
Mich.
Ich wäre
der beste Präsident
des besten Landes
der Erde.
Viermal besser
als jeder vor mir.
Neunmal besser
als jeder nach mir.
Ach was.
Achttausendmal besser.
Wie sollte mich da
jemand ersetzen können?
Mich.
Den Mann,
der dieses Land
nach so langer Zeit
wieder groß gemacht hat.
Man ersetzt schließlich
auch keinen Rettungsring
durch einen Mühlstein.
Also bliebe ich.
Nicht für mich.
Nicht aus Machtgier.
Nur aus Verantwortung.
Auf Lebenszeit.
Für das Land.
Für die Demokratie.
Und die Sicherheit.
Ich würde es ja so machen.
Und das alles,
Samstag, 18. Juli 2026
Spagat
Mein persönliches Glück
ist durchaus damit vereinbar,
dass er zurückgetreten wurde.
Er selbst wollte seine Zukunft
erst mit der Fraktion besprechen,
„wenn wir uns im September wiedersehen“.
Zum Glück war der Kanzler
konsequent
und vor allem schneller.
Hat ihn zurückgetreten.
Respekt.
Er schreibt,
sein persönliches Glück,
gemeinsam mit seinem Mann
eine Familie zu gründen
und Vater zu werden,
sei nicht vereinbar
mit seinem politischen Amt.
Wie edel.
Dabei waren weder sein Mann
noch sein Kind
noch sein persönliches Glück
mit seinem Amt unvereinbar.
Unvereinbar war nur,
privat eine Leihmutter in Anspruch zu nehmen
und politisch anderen
genau das zu verwehren.
Er nennt es einen Spagat
zwischen privater Entscheidung
und öffentlicher Erwartung.
Dabei beherrschte er den Spagat
doch schon immer:
zwischen dem,
was er anderen predigt,
und dem,
was er sich selbst erlaubt.
Nur diesmal
wurde nicht der Spagat sichtbar,
sondern die Doppelmoral.
Und plötzlich musste er sich entscheiden:
zwischen ehrlich
und unehrlich.
Eine Entscheidung,
die ihm sonst
nie besonders schwerfiel.
Mittwoch, 8. Juli 2026
KI - künstliche Intelligenz
Wie ein künstliches Auge
Man sieht nichts.
Nur besser aus.
Man läuft wieder.
Nur langsam.
Wie ein künstlicher Darmausgang
Man kackt wieder.
Nur in Beutel.
Alles Ersatz.
Alles Krücken.
Alles Behelfe.
auf echte hoffen.
Sonntag, 5. Juli 2026
Aberglaube
An manchen Türen sogar 2 Flaschen. Links und rechts.
Warum?
Tradition, sicher Tradition. Wobei, seit wie vielen Jahren gibt es Plastikflaschen, wurde das früher mit Tongefäßen gemacht? Später mit Glas? Wasser vorm Haus um den dürstenden Wanderer zu erquicken? Mit warmem Wasser, wie lange steht das schon da?
Sich die Hände zu waschen, bevor man das Haus betritt? Rituelle Gründe?
Eine Online Recherche ergab folgendes:
Ein weit verbreiteter Volksbrauch, um streunende Hund und Katzen davon abzuhalten, hier ihr revier zu markieren.
Man hofft, dass die Tiere durch die Lichtreflexe oder noch besser durch ihr Spiegelbild erschreckt oder irritiert werden.
Besonders populär ist dieser Brauch in südeuropäischen Ländern aber auch in Japan.
Ob der Trick funktioniert oder doch eher Mythos ist ist selbst bei manchen Anwohnern umstritten.
Bevor ich mich aber darüber lustig mache möchte ich erwähnen, dass es hierzulande auch mal Zeiten gab in denen man Radarfallen mit Hilfe von am Rückspiegel aufgehängten CDs irritieren wollte.
Und auch da weiß ich nicht ob der Trick funktioniert oder doch eher Mythos war.
Montag, 22. Juni 2026
erkannt - Urlaub
Pizzeria Laghetto, Carlazzo, Provinz Como, Lombardei
Nicht nur an den Muscle-Shirts – und den unrasierten Achseln.
Nicht nur an den kurzen Hosen – mit 21 Taschen.
Nicht nur an den Trekking-Sandalen – und den ungepflegten Füßen.
Nicht nur an den Sitzplätzen auf der Terrasse – in der prallen Sonne.
Vor allem an der Warteschlange – weit vor der Öffnungszeit.
Daran erkennt der Italiener uns Touristen.
(Oder am Eiskaffeefleck auf heller Hose?)
Sonntag, 21. Juni 2026
siebenundfünfzig
Erster richtiger Urlaubstag.
Oberhalb des Luganer Sees in einem traumhaften AirBnB. Seit 7:30 Uhr zufrieden, gelöst, in Shorts und T-Shirt auf der Terrasse gesessen. Tee getrunken. Ins Tal geblickt. Den Tag intensiv mit Genießen verbracht.
Norditalien. Fünfzig Kilometer bis Mailand. Modehauptstadt. Man achtet auf sein Outfit und seinen Style. Oder ist zumindest ordentlich gekleidet.
Da verbietet es sich fast, in meinen Jeans – oder schlimmer noch – in meinen abgeschnittenen Jeans außer Haus zu gehen.
Seit bestimmt acht Jahren hatte ich keine helle Hose mehr getragen. Keine helle Hose. Seit acht Jahren.
In drückendster Nachmittagshitze gegen vier haben wir dann doch beschlossen, rüber zum Comer See zu fahren.
Gegen vier im klimatisierten PKW bei drückendster Nachmittagshitze. Mit der frisch angezogenen hellen Hose und geschlossenen Schuhen. Aufgebrochen zum Comer See. Menaggio.
Wir schlendern am See entlang. In drückendster Nachmittagshitze. Helle Hose. Geschlossene Schuhe.
Einen Eiskaffee haben wir uns gegönnt. An der Strandpromenade. In drückendster Nachmittagshitze. Helle Hose. Geschlossene Schuhe.
Exakt siebenundfünfzig Minuten hat es gedauert zwischen:
Ich ziehe mir in drückendster Nachmittagshitze eine helle Hose an. Geschlossene Schuhe.
und:
Ich kleckere meinen Eiskaffee darauf.
Samstag, 20. Juni 2026
Route 90 Grill & More
Ein kostenloser(?) Parkplatz und ein paar Imbissbuden. War natürlich klar, dass ich mich für den Route 90 Grill & More Imbiss entschieden habe. Gibt es dort doch zu meiner Freude eine Currykult Wurst Swiss Style.
Mit einer Bratwurst, hausgemachter Bratensauce, Röstzwiebeln und rassigem Madras Curry - so die Beschreibung.
Das alles flott zubereitet in einer nicht sehr sparsamen Portionsgröße dargereicht. Was will man mehr? Kein Sand durch Jet-Blast in den Zähnen sondern nur die gute Wurst, einer rassigen Madras Sauce - und noch ganz en passant die #90 bei meiner #ImbissbudeMitNummer abgehakt.






