Dienstag, 25. August 2026

Schnuffi

Und dann das Porträt des Hundes auf der Wade. Schnuffi – 14 Jahre lang ein treuer Begleiter – unvergessen.

Auch da stellen sich schon wieder zwei Fragen: Wieso auf der Wade? Da sieht man ihn selber nur schwer und die anderen eigentlich nur im Weggehen.

Zweitens setzt es die Messlatte für den zweiten oder auch dritten Hund ganz schön hoch, wenn sie immer an diesem alten Schnuffi gemessen werden.

Und ach, noch ein Drittens: Das muss man einfach so sagen. Bin ich froh, dass er sich nicht für seine Lieblingszwerghamster entschieden hat. Die haben nur eine Lebenszeit von zwei Jahren.

Der hätte inzwischen eine imposante Hamsterherde auf dem Körper.

Montag, 24. August 2026

unsterblich

100 Jahre würde ich werden, 

dürfte ich dereinst die in Telefonwarteschleifen verbrachte Zeit nachleben. 


Unsterblich würde ich werden,

verbrächte ich sie wieder in Telefonwarteschleifen.




Mittwoch, 12. August 2026

Venus im Stadtbade


Botticelli kannte ja noch keine Freiwillige Selbstkontrolle, deshalb musste die Venus im Stadtbade erst mal einen Bikini bekommen.

Dienstag, 11. August 2026

Insta Lisa hat einen Podcast

 


verlupft

Ich habs im Kreuz. Einen Hexenschuß wie schon lange nicht mehr. Hatte mich gestern verlupft. "Mir ischs neigfahra" als ich die zweijährige Enkelin auf meinen Arm nahm.

So schlimme Kreuzschmerzen hatte ich die letzten dreiunddreißig Jahre nicht mehr.

Damals "ischs mir neigefahra" als ich die zweijährige Tochter auf den Arm nahm. Wie die Zeit vergeht.


Samstag, 1. August 2026

bodenlos

Freitagabend. Kochkraft durch KMA auf der Schwaneninsel in Waiblingen. Minibühne.

Eintritt nach Selbsteinschätzung: 20, 25 oder 30 Euro. Ich nehm die Mitte. Zahl 25 Euro – das schmerzt den Schwaben in mir. Noch mehr schmerzt mein Mittelmaß: Warum keine 30?

Vor dem Konzert esse ich noch einen Wurstsalat. Drückende Hitze. Zirka fünfzig Zuschauer.

Kurz nach acht fängt es an.

Die vier auf der Bühne scheinen riesigen Spaß zu haben. Junge Leute, die begeistert etwas machen. Vom ersten Takt an ist Lana in Bewegung. Singt, hüpft, tanzt, macht.

Fast noch begeisterter ist die Frau am Keyboard. Sie freut sich, lacht und grinst. Sollte sie keinen Spaß haben, weiß ihr Gesicht nichts davon.

Nach einer halben Stunde tröpfelt es. Wind zieht auf. Das Volk will weitermachen. Die Band auch.

Die haben Bock. Gut so.

Nach einer Stunde meines üblichen Kopfnickens und der fast unsichtbaren Gewichtsverlagerung auf den linken Fuß – ja, das ganze Bein – hält es mich nicht mehr.

Ich hüpfe. Erst nur angedeutet, von einem Bein aufs andere. Ich bin erstaunt, dass ich das dreißig Sekunden lang ohne Sauerstoffzelt schaffe. Einen ganzen Song? Nein. Aber ein Anfang.

Warum ausgerechnet Kochkraft mich so mitgenommen hat, kann ich gar nicht sagen.

Vielleicht das Underdog-Ding. Mit Underdogs identifiziere ich mich gerne und oft. Vermutlich meistens zu Unrecht.

Vier Menschen machen Musik. Scheißegal, was die Welt davon hält.

Die machen ihr Ding. Erzählen nebenher, dass sie alle noch arbeiten müssen. Dass sie heute Morgen mit einem gemieteten Kleinbus von Duisburg nach Waiblingen gefahren sind.

Nicht einmal den bestellten bekommen. Erst mal zwei Reihen Sitzbänke ausbauen. Das Equipment aus den Cases nehmen, damit man es enger stapeln kann. Kein Platz für den Merch.

Kein glorreiches Nightlinerleben.

Kein Heli, der die Stars die letzten Meter einfliegt. Mehr Jugendhaus als Rock am Ring.

Und dann dieser Spaß. Wie kann man so einen Spaß versprühen?

Nicht: Seht her, was wir erreicht haben.

Eher: Seht her, wir sind da.

Vielleicht war es das.

Dreiundsechzig. Ich bin der Älteste. Bestimmt.

Die anderen eine, eher zwei Generationen jünger.

Nicht dass ich unbedingt jünger sein möchte.

Aber dieses Unbeschwerte hätte ich schon gern. Diese Energie. Diese Selbstverständlichkeit, mit der man hüpft, tanzt, macht, ohne sich vorher eine Genehmigung dafür auszustellen.

Von meiner eigenen Alterskohorte fühle ich mich längst entkoppelt. Zu den Jüngeren gehöre ich aber auch nicht.

Doch hier muss ich nirgends dazugehören.

Vier Menschen, die nichts darstellen, sondern etwas machen. Laut, begeistert und ohne Sicherheitsabstand zu sich selbst.

Und ich stehe anonym zwischen all den Menschen, die mich nicht kennen. Die nichts von mir erwarten. Die nicht wissen, wer ich bin, wer ich sein sollte und woran ich gerade scheitere.

Ich muss niemanden bewerten, niemanden kleinmachen, mich über niemanden stellen.

Es gibt keine Gegner.

Nicht einmal Mitbewerber.

Advantage me.

Ich muss mich nicht behaupten.

Ich bin keiner.

Und genau deshalb kann ich ich sein.

Scheiße:

Ihr habt Spaß?

Den will ich auch.

Eine Viertelstunde später werde ich für meine Verhältnisse völlig ekstatisch.

Ich springe. Beidbeinig.

Nicht besonders hoch. Nicht besonders lange. Nicht einmal besonders rhythmisch.

Aber der Körper – für Mikrosekunden ohne Bodenberührung.

»In der Luft« wäre übertrieben.

Das Publikum um mich herum hat mehr davon. Die Band sowieso.

Aber hey:

Ich habe Spaß.

 

Für Mikrosekunden ohne Bodenberührung.