Mittwoch, 11. März 2026

Erkannt

Ich sehe schlecht. Kontaktlinsen bekomme ich nicht rein. Also habe ich mir eine Schwimmbrille mit Sehschärfe machen lassen. Damit ich im Urlaub vom Meer zurück zum Handtuch finde und nicht erst stutzig werde, wenn ich schemenhaft die Freiheitsstatue erkenne.

Eine Frau – jünger als ich – wendet mir den Kopf zu. Vermutlich schaut sie mich an. Routinemäßig nicke ich. So ein neutrales Schwimmbad‑Hallo. Sie kommt auf mich zu. Ich erkenne sie nicht.

„Gandhi?“ fragt sie.

Wer verdammt kennt diesen Spitznamen noch aus meiner frühesten Jugend?

Ich kneife die Augen zusammen, presse den letzten Rest Sehschärfe aus mir heraus. Meine Stirn legt sich in Falten. Ein Grund, warum viele sagen, ich schaue immer so mürrisch.

Ich erkenne sie nicht.

„Steffi“, sagt sie. “Die Frau von Hannes.”
Ja. Hannes. Mein jüngster Vetter. Und ich werde niemals Couseng sagen oder wie das heißt.

Steffi und ihre Familie sind auch in meinem Schwimmverein.

So trifft man sich wieder, denke ich. In bester Boomer‑Manier.