Mein Kofferraum wurde zwangsgeräumt.
Als ich heute mein Auto vom Service abholte, war der komplette Kofferraum leer.
Auf meine irritierte Nachfrage, wo sich denn meine ganzen Sachen befinden würden, erklärte man mir freundlich, diese seien im Rahmen der Inspektion entfernt worden. Dafür hätte ich jetzt einen neuen, modernen und besonders schicken Kofferraum: den Kofferraum 2.0.
Meine bisherigen Dinge konnte man leider nicht in den neuen Kofferraum übertragen. Das war technisch nicht vorgesehen. Aber ich könne ihn selbstverständlich jederzeit wieder mit neuen Sachen befüllen.
Eine Migration von meinem „Kofferraum 1.0“ – mit meinem Zeug – auf den neuen „Kofferraum 2.0“ – schön sauber, modern und aktuell komplett leer – sei leider nicht möglich gewesen.
Ja, so habe ich vermutlich auch geschaut.
„Das gibt’s doch nicht.“
Richtig.
Im echten Leben vermutlich nicht.
In der digitalen Welt von [hier FARBNAME]TV hingegen schon.
Als ich heute auf meinem Sofa saß und die Aufnahmen meiner Lieblingsserie anschauen wollte, waren sie verschwunden.
Auf Nachfrage erklärte man mir freundlich, dass [hier FARBNAME]TV 1.0 inzwischen auf das neue, moderne und deutlich hübschere [hier FARBNAME]TV 2.0 umgestellt worden sei.
Dort könne ich selbstverständlich weiterhin aufnehmen wie gewohnt. Die bisherigen Aufnahmen seien allerdings weg.
Und blieben auch weg.
Eine Migration der vorhandenen Inhalte sei „technisch nicht vorgesehen“ gewesen.
Immerhin wurde ich darauf hingewiesen. In einer E-Mail vor zehn Tagen, irgendwo zwischen „noch mehr Komfort“, „modernem Design“ und „verbesserter Benutzeroberfläche“.
Das Problem ist nur: Die neue Klickibunti-Menüführung ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Die „verbesserte Benutzeroberfläche“ hilft mir nämlich wenig, wenn meine alten Aufnahmen einfach verschwunden sind.
Und beim versprochenen „Komfort“ frage ich mich inzwischen ohnehin, ob sich das Wort vielleicht einfach von „fort“ ableitet – schließlich sind meine Aufnahmen jetzt genau das.
Fort.
Jedenfalls war mir all das nie wichtiger als die fast 100 Stunden Aufnahmen, die laut [hier FARBNAME]TV sicher und bequem in der Cloud gespeichert werden konnten.
Und selbst wenn ich die E-Mail vor zehn Tagen sofort aufmerksam gelesen hätte – was genau wäre eigentlich der Plan gewesen?
Innerhalb von zehn Tagen fast 100 Stunden Aufnahmen konsumieren, nur damit sie nicht im digitalen Schredder landen?
Sollte das ernsthaft die vorgesehene „Migrationsstrategie“ gewesen sein?
Oder anders gefragt:
Geht’s eigentlich noch?
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