Donnerstag, 21. Mai 2026

retten

Ich will die Welt retten.
Ich muss die Welt retten.
Ich kann die Welt nicht retten.
Ich muss die Welt nicht retten.

Diese Welt will mich retten.
Diese Welt muss mich retten.
Diese Welt kann mich nicht retten.
Diese Welt muss mich nicht retten.

Wer rettet mich vor dieser Welt?

Sonntag, 17. Mai 2026

Times they are changing

 Früher, als wir jung waren,

machte der Hund noch wau wau.
Oder wenigstens wuff wuff.

Das waren noch richtige Hunde.

Die lagen draußen.
Fraßen Dreck.
Hatten einen Namen wie Rex oder Bello
und rochen entsprechend.

Wenn ich heute die Enkelin frage,
wie der Hund macht,
kommt ein zartes:

„wig wig.“

Und der Köter sitzt im Kinderwagen.

Mit Halstuch.

Und vermutlich eigener Krankenversicherung.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Sabrina

Sabrina irgendwas heißt sie. Sabrina - da stelle ich mir eine kecke (wer sagt heute noch keck?)  junge Frau, schlank mit  Sommersprossen vor - vermutlich mit Pferdeschwanz.     

"Ich bin im 3. Stock eines Geschäftshaus', Türe ist offen, gehen Sie in den 3. Stock und klingeln sie dann pünktlich zum Termin - 12:50 Uhr. Wir haben kein Wartezimmer und es ist blöd, wenn wir unterbrechen müßen um die Tür zu öffnen" - (und den Leuten zu sagen, sie sollen noch kurz draußen warten - denke ich).  Hatte sie mir schon letzte Woche am Telefon eingeflüstert. 

"Marthinah, da hasch abr a käcke Frisur" - stimmt, das bicolor Pony der Metzgers Frau - da hatte ich keck das letzte mal gehört.

Ein schon leicht in die Jahre gekommenes Geschäftshaus - in einem schon leicht in die (80er) Jahre gekommenen Industriegebiet. So stellte ich mir das Ambiente vor - wenn man diese Kleinanzeigen in den 80er/90er Jahren las: "Sabrina verwöhnt den reiferen Herrn, diskret und sauber" - um dann zu erkennen, dass diese Sabrina weder so gut deutsch sprach wie die Anzeige vermuten ließ, noch im ungefähren erwarteten Alters- oder Gewichtsbereich lag.

Fünf vor Termin bin ich vor Ort. Ein Tischchen und 2 Stühle stehen vor der Tür - outside waiting room? Oder hat das Sabrina extra wegen mir angeschafft - gabs Veränderungen seit unserem Telefonat vor einer Woche? Pünktlich den Klingelknopf betätigt - und gewartet. Totenstille hinter der Tür - an der ich vor 3 Minuten noch Geräusche und Schritte wahrnahm. Ich warte neunzig Höflichkeitssekunden - und drei Millimeter bevor mein Finger den Klingelknopf erneut trifft - öffnet sich die Türe.

Nachdem ich zwischen klingeln und klingeln keinerlei Geräusche wahrgenommen habe - vermute ich, dass Sabrina schon drei Minuten hinter der Tür gelauert hatte. Eine schon leicht in die Jahre gekommene Frau - mit schon leicht verhärmten Gesicht (ohne Sommersprossen) - schulterlangen schwarzen Haaren (ohne Pferdeschwanz) - in Strickjacke und Jeans (nicht in Kleid) - und insgesamt sehr wenig Ähnlichkeit zu der von mir imaginierten Bibi Blocksberg. Läßt mich herein. Zeigt nach rechts zum Sprechzimmer und bittet mich Platz zu nehmen. "Haben Sie Ihre Karte dabei?" - ist die zweite Wortsequenz die ich jetzt von ihr wahrnehme - hören kann man es nicht nennen, da Sabrina vermutlich eine große Studie zur Gedankenübertragung leitet und so leise spricht, dass ich die Verstärkung meiner Hörgeräte auf zehn drehen muss.

Momente höchster Kontemplation - als sie versucht meine Gesundheitskarte mit Hilfe ihres Lesegeräts auszulesen. Steckt die Karte ins Lesegerät hinein - dreht sich zum Monitor - stellt fest dass keine Daten angekommen sind - dreht sich erneut zum Lesegerät - stellt wenige Sekunden später wiederum fest dass immer noch keine Daten lesbar sind. Ein dritter Versuch schlägt ebenfalls fehl. Sie nimmt die Karte in beide Hände - versucht es scheinbar mit Voodoo - oder wie ich feststelle - versucht die aufgedruckten Daten auf der Karte zu lesen.

"Ihre Adresse bitte."

Im Alter von zwei Jahren bilden Kleinkinder die ersten einfachen drei Wortsätze - Sabrina scheint älter als zwei zu sein. Immerhin - die dritte Wortsequenz - die ich jetzt nach mittlerweile fünf Minuten von ihr gehört habe.

Momente höchster Kontemplation  auch für mich - fünf Minuten beobachten, taxieren, Meinung oder Vorurteil bilden. Der Raum annähernd quadratisch - die Wände weiß - ein paar Bilder - ich registriere nur die Rahmen. Zwei leichte gepolsterte Stühle mit Armlehnen in der Ecke - getrennt durch ein kleines rundes Tischchen - ich frage mich ob es für Therapeuten auch einen Groß- und Fachhandel für die Raumausstattung gibt - oder ob sie sich bei Ikea, Manufactum und einer fancy Möbeldesignerin ausstatten - wie viel ist bewusst so gesetzt - Fragen die ich nicht lösen kann - die Uhr ist selbstverständlich zur Therapeutin hin ausgerichtet.

Der Schreibtischstuhl gefällt mir sehr - ich schätze: Anfang der 60er Jahre - Holz-Drehbürostuhl - noch ohne diese Rollen - damals blieb man an seinem Arbeitsplatz einfach sitzen und konzentrierte sich - musste nicht dauernd hin und her rollen - schick - so etwas hatte ich übrigens in meinem Jugendzimmer auch - gute Wahl Sabrina. Der Schreibtisch clean - aufgeräumt - keine weiteren Details die ich erinnere - und keine elektronischen Geräte aus Cupertino. An der linken Ecke der Schreibtischplatte ein kleines Glas - ein Glas wie die schwäbischen Viertelsgläser - nur ohne Henkel - hin und wieder nimmt sie davon - farblos die Flüssigkeit - vermutlich warm - so vorsichtig wie sie nippt.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Zimmers - das erste Mal in meiner Karriere - sehe ich tatsächlich eine Psychotherapeutencouch. Sabrina scheint auch durchaus breitere Patienten zu haben - die Couch ist jedenfalls geschätzte anderthalb mal breiter als die Sprechstundenliegen wie ich sie von Ärzten kenne - das Ding ist edel - Kopfteil - dunkles Leder - eine Decke liegt bereit - und unten ein Schutz für die Füße - liegt man auf so eine Therapeutencouch eigentlich mit Schuhen - oder ohne - zieht man die Schuhe aus um sich ganz hinzugeben - oder behält man die Schuhe an  - um notfalls sofort fliehen zu können - eine Frage die - wie sich nachher herausstellen wird - nicht geklärt werden kann. Am Kopfende der Therapieliege - dann tatsächlich - dieser Freud-Sessel - mit hoher Lehne - wirkt gemütlich - so wie Sabrina auf mich wirkt - nutzt sie den bestimmt auch für so manches Nickerchen - vielleicht auch während ihr Patient sich gerade öffnet.

"Hatten Sie schon mal Probleme mit Ihrer Karte?" - mit dieser Frage reißt sie mich aus meiner Beobachtung. "Ja - hatte ich - aber es ging dann immer irgendwie." - "Da müssen Sie mal nachgucken lassen." Jetzt ist es so - dass ich mir den Termin nicht geben lassen habe um die technische Funktionsfähigkeit meiner Gesundheitskarte testen zu lassen - sondern ich bilde mir ein - ganz andere Probleme zu haben.

Stoisch gibt sie meine persönlichen Daten jetzt von Hand in ihren Computer ein. Die Uhr - der Wecker - zeigt mit dem Rücken zu mir - ich brauche die Armbanduhr um zu sehen wie viel Therapieminuten durch Formalien vernichtet werden.

Wie heißen diese Echsen, die sich so verzögert bewegen, als würde man sie nur im Ultrazeitraffer wahrnehmen? Zwei Schritte vor, einen zurück. Erst eine Extremität ein Stückchen nach vorne, dann noch ein Stückchen, dann wieder zurückziehen und vorsichtig platzieren, bevor die nächste an der Reihe ist.

Genau so bewegt sich Sabrina.

Oder ein Chamäleon — obwohl sich bei denen die Augen deutlich öfter bewegen als bei Sabrina.

Kurz frage ich mich, ob nicht Sabrina dringender Hilfe braucht als ich. Dieser leere Blick. Diese Bewegungen, die man  nur im Ultrazeitraffer wahrnehmen kann.

Was mich zu ihr führt - will sie wissen. Ich erzähle dass ich aus der Klinik entlassen wurde - mit schwerer Depression - den Bericht habe ich dabei und gebe ihn ihr. Widerstrebend nimmt sie ihn entgegen - blättert darin herum - in einer Geschwindigkeit, in der ich den Bericht vermutlich von Hand hätte abschreiben können - stellt keine Fragen dazu - versinkt in sich - um dann zu erklären, das alles sei ihr jetzt zu viel zu lesen - ich soll doch mal berichten wie es mir geht - oder wo mein Problem ist. Leider erinnert mich das an die Frage vieler Experten - dieses "wo fehlt's denn?" - im Schwäbischen - wenn ich das wüsste wäre ich nicht hier - wenn ich die Diagnose schon mitbringe erwarte ich Therapie - vielleicht mein Gedankenfehler.

Sie beherrscht dieses stumm und regungslos bleiben - und starr ins Nichts blicken - meisterhaft. Mir ist das unangenehm - ich kann es zwar schon besser aushalten als früher - trotzdem kann ich keinen Sinn darin sehen wenn sich Patient und Therapeut stundenlang anschweigen.

Ich erzähle was mir einfällt - Arbeit - Familie - Überarbeitung - nicht mehr können - 10 Minuten lang - nur wenn ich mindestens eine Minute nichts sage fragt sie nach - oder gibt einen 3-Wort-Kommentar.

Sie schweigt weiter - "was interessiert sie noch?" frage ich. Schweigen. Ich erzähle vom Verlassen-sein-fühlen - und von Sichtbarkeit - von Trauer und Traurigkeit.

Nachdem mir nichts mehr einfällt - plus 2 Minuten gegenseitiges Schweigen - fragt sie ob ich Erfahrung mit Gruppentherapie in der Klinik gemacht habe. "Ja - positiv - wobei es so war, daß mich die anderen wenig interessiert bis genervt haben - und ich die Sitzungen oft gekapert habe - mit meinem Scheiß."

Sie würde trotzdem eine analytische Gruppentherapie empfehlen - die sie (selbstverständlich) nicht anbieten kann.

Ein eleganter Rauswurf - nach 30 Minuten. Fünfzig zahlt die Kasse.

Ich hätt bei der Tante keine Therapie machen wollen.

Wenn ich schweigen will - geh ich ins Kloster -

zu den Karthäusern.


Mittwoch, 6. Mai 2026

Hinter die Ohren geschrieben

„Schreib’s dir hinter die Ohren“, hat wohl jemand gesagt.

Jetzt steht da: STRONG.

Eine Eigenschaft,
die ein Befehl sein will.

Nicht auf der Brust.
Nicht auf dem Unterarm.
Nicht dort, wo man es morgens im Spiegel sieht.
Sondern hinterm Ohr.
An einer Stelle,
an der es kaum jemand bemerkt.
Nicht einmal der, der es trägt.

Empowerment hinterm Ohr.
Vielleicht glaubt er selbst nicht dran.

Oder er wollte, einen Radsportler ehren:

ARMSTRONG.

Dann kam die Nadel.
Und vor lauter Schmerz
blieben A, R und M
auf der Strecke.

Zum Lesen braucht er zwei Spiegel.
Dann scheitert er am Ohrläppchen.

Freitag, 24. April 2026

Der Wal war leider gerade nicht verfügbar

Die beste Enkelin der Welt mit dem besten Opa der Welt fütterten Gänse im Park – wie schon Generationen davor.

Die Gänse waren zufrieden. Die Enkelin auch. Der Opa ohnehin – er durfte das Brot tragen.

Zwei glückliche Menschen, drei satte Gänse.

„Sie wissen schon, dass das den Gänsen schadet?“

Der Satz kam von einem domestizierten Jack-Wolfskin in seinem natürlichen Habitat.

Gesprochen mit der Autorität eines Mannes, der seine Outdoorkleidung schon zum Müllrausbringen trägt – in dem Tonfall, als zählten solche Hinweise zu den Grundlagen der Welt, irgendwo zwischen Osmose und Schwerkraft.

Er sah sie an, als hätten sie den Gänsen gerade Zigaretten angeboten.

Opa erstickte jede aufkommende Konfrontation mit einem:

„Fahr doch an die Ostsee, rette einen Wal zu Tode, und lass uns in Ruhe, du Freak!“

Übersprungshandlung.
Kein Wal – also das Brot.

Hauptsache, das Gewissen ist so beige wie die Funktionsjacke.

Mittwoch, 11. März 2026

Erkannt

Ich sehe schlecht. Kontaktlinsen bekomme ich nicht rein. Also habe ich mir eine Schwimmbrille mit Sehschärfe machen lassen. Damit ich im Urlaub vom Meer zurück zum Handtuch finde und nicht erst stutzig werde, wenn ich schemenhaft die Freiheitsstatue erkenne.

Eine Frau – jünger als ich – wendet mir den Kopf zu. Vermutlich schaut sie mich an. Routinemäßig nicke ich. So ein neutrales Schwimmbad‑Hallo. Sie kommt auf mich zu. Ich erkenne sie nicht.

„Gandhi?“ fragt sie.

Wer verdammt kennt diesen Spitznamen noch aus meiner frühesten Jugend?

Ich kneife die Augen zusammen, presse den letzten Rest Sehschärfe aus mir heraus. Meine Stirn legt sich in Falten. Ein Grund, warum viele sagen, ich schaue immer so mürrisch.

Ich erkenne sie nicht.

„Steffi“, sagt sie. “Die Frau von Hannes.”
Ja. Hannes. Mein jüngster Vetter. Und ich werde niemals Couseng sagen oder wie das heißt.

Steffi und ihre Familie sind auch in meinem Schwimmverein.

So trifft man sich wieder, denke ich. In bester Boomer‑Manier.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Möglich ab 2029

Laut einem aktuellen SPON-Artikel sollen sich neben der Bundeswehr auch zivile Stellen auf einen möglichen Krieg ab 2029 vorbereiten.

Möglich ab 2029.
Eine Zeitangabe wie der Eröffnungstermin eines deutschen Großprojekts.

Krieg 2029. Was mich daran am meisten stört: diese schlampige Planung. Kein Datum, keine Uhrzeit, keine Kalenderfreigabe.

Die Olympischen Winterspiele 2030 in Nizza beginnen am 1. Februar. Das steht fest. Der Weltkrieg bekommt nur ein Jahr.

Über den nächsten Weltkrieg wird inzwischen geredet, als ginge es um das nächste Großevent.

Olympiade mit Sprengstoff.

Heute reicht ein Haushaltsbeschluss, um mitzuspielen. Deutschland spielt mit. Meist als Spielball.
Symbolpolitik in Schutzhelmen.

2029 der moderne Dreikampf. Der Irre in Washington, der Großmachtsträumer aus Moskau, der stille Verwalter der Welt aus Peking.

Der eine sammelt Kontinente wie Immobilien. Grönland, Golfregion. Hauptsache Lage, Lage, Lage. Zwischendurch ein Hotelprojekt, die „Riviera des Nahen Ostens“, ein geschenkter Jumbojet.

Der andere träumt von zaristischer Größe und sucht sich Europa als nostalgisches Ausbaugebiet.

Der dritte holt sich, was er braucht. Ohne Pressekonferenz. Ohne Pathos. Mit Liefertermin.

Die Qualifikationen laufen längst. Ukraine, Gaza, Venezuela.
Warmspielen nennt man das jetzt wohl.

Und Nordkorea steht daneben wie das dicke Kind auf dem Schulhof, das niemand ärgern will, weil es ein Messer dabeihat.
Nur größer.

Noch ungefähr 1100 Tage bis zum Krieg. Das ist kürzer als bis zu meiner Rente.

Krieg ist terminiert. Mein Ruhestand nicht.

Dienstag, 27. Januar 2026

D

 „Zwei Fleischkäsebrötchen.“

„Eins mit einer dicken Scheibe, eines mit einer dünnen Scheibe.“
„Vom Groben, bitte.“
„Ja, so ist es recht mit der dünnen Scheibe.“
„Die dicke Scheibe etwas dicker, bitte.“
„Ja, das kommt in eine Tüte.“
„Gut, dass Sie auf eines der Brötchen mit Edding ein D gemalt haben.“
„Der mit dem D – für dick oder dünn?“
Oder Dick & Doof.

Freitag, 23. Januar 2026

Fit im Pit

 VHS-Kurs: Fit im Pit Überleben im Moshpit ab 60

„Fit im Pit“ ist der neue VHS-Kurs für alle Best Ager, die ihre wilden Jahre nicht hinter sich lassen wollen – sondern mittendrin bleiben.
Vom ersten Stage Dive bis zur rechtlichen Absicherung: Wir bereiten Sie vor auf alles, was der Moshpit verlangt. Und der Orthopäde später wieder richten muss.

Modul 1: Circle Pit Basicslinksrum, rechtsrum oder nur Ringelreihen?

Einführung in die Kunst der rotierenden Bewegung. Dreht sich der Pit um mich – oder ich mich um ihn? Tipps für Tempo, Richtung und den elegantesten Ausstieg, bevor die Puste ausgeht.

Modul 2: Crowd Surfing – trotz 115 kg

Genießen Sie die Schwerelosigkeit. Lassen Sie sich tragen – im Rhythmus. Oder, je nach Tagesform, üben Sie sanft Druck auf die Menge aus. Techniken, Vertrauen und die Kunst, sich tragen zu lassen – auch wenn die Physik offiziell widerspricht.

Modul 3: Stage-Diving-Unfälledie Selbsthilfegruppe

Austausch, Verarbeitung und praktische Tipps für alle, die schon einmal härter gelandet sind als geplant.

Modul 4: Wall of Deathwohin mit dem Rollator

Strategien für Mobilitätshilfen im Ausnahmezustand. Von Parkposition bis Fluchtweg.

Modul 5: In Case Of Recht, Risiko & Rente

Kranken- und Unfallversicherung, rechtliche Fallstricke und Rentenfragen für alle, die lieber jung geblieben wären, es aber nicht bleiben durften.

Modul 6: Exit-StrategienWie dem Wahnsinn entkommen?

Nicht jeder Moshpit endet mit Applaus. Dieses Modul zeigt Ihnen, wie Sie den geordneten Rückzug antreten – mit Würde, Humor und möglichst wenig Prellungen.

Hinweis: Alle Module sind unabhängig voneinander buchbar. Moshpit-Erfahrung nicht erforderlich – nur Mut, Humor und ein stabiler Hüftgurt.




Donnerstag, 15. Januar 2026

Currywurst Retter

Unterwegs.
Und wenn ich unterwegs bin, lande ich früher oder später bei einer Currywurst.

In Dernbach – manche kennen den Ort wegen der Ludolfs – steht ein Imbiss mit einem Namen, der eher nach Durchhalteparole klingt als nach Marketing:

Rettet die Currywurst.

aber gerne doch, helfe ich mit die Currywurst zu retten, 

Currywurst mit Brötchen.
Auf Porzellan.
3,70 €.
Und ich frag mich:
Sind die noch zu retten?
Bei uns werden dafür locker 5 € verlangt.


#curryholic   #currywurstretter


Montag, 12. Januar 2026

Leb' den Traum

Noch dunkel. Ich ziehe die Tür des Ferienhauses hinter mir ins Schloss und stapfe durch frischen Neuschnee Richtung Bäcker. In der Ferne ein grünes Glühen. Bewegt sich unentschlossen, wie etwas, das noch nicht weiß, was es sein will.

Zu tief für eine Drohne. Zu hoch für einen Mähroboter. Ich frage mich kurz, ob hier bereits die ersten Nachbarn ihrer Räumpflicht mit gepimpten Staubsaugrobotern nachkommen. Ein Winter-Bot mit Mood Light? Oder E.T.? Der müsste eigentlich wissen, dass bei dem Wetter nichts mit Fahrradfahren ist.

Das Licht eiert weiter auf mich zu, und langsam erkenne ich: Hubertus von höheren Weihen lebt den Traum. Er sieht sich als heroischen Schlittenhund beim Iditarod, irgendwo auf dem Trail zwischen Anchorage und Nome – während sein Herrchen nur als Handicap mitgeführt wird. Kein Leittier, kein Einfluss, nur Ballast auf zwei Beinen, den Hubertus stoisch in meine Richtung zerrt.

Ein Leuchthalsband im giftigen Neon-Look, damit der Fiffi nicht unter den Schneepflug gerät. Während er durch Eis und Matsch an mir vorbeidackelt, frage ich mich, ob man die Töle eigentlich aufladen muss. USB-C, Micro-USB – oder geht das inzwischen induktiv? Legt man ihn einfach auf die Doging Station – neben den Fitness-Tracker und die Smartwatch?



Sonntag, 11. Januar 2026

Opale

Gedanke des Tages:

Als Schwabe liest und versteht man manches eben anders. Heute Morgen, auf dem Weg zum Bäcker in Hage (Ostfriesland!), blieb mein Blick an einem Schild hängen: WONDERLAND OPALE.

Für einen kurzen Moment dachte ich ernsthaft, hier gäbe es ein Wunderland speziell für Senioren – für den Opa eben. Vielleicht mit bequemen Sesseln, Streuselkuchen und leiser Volksmusik im Hintergrund.

Erst ein paar Schritte später dämmerts mir:
„Opale“, Halbedelsteine. Kein Opa.


Mittwoch, 7. Januar 2026

Mendels Fehlkonstruktion

Gregor Mendel, der Erfinder der Vererbung, hätte sich bei der Menschheit ruhig ein bisschen mehr Mühe geben können.

Sonntag, 4. Januar 2026

Gusticus – Die wahre Geschichte der Currywurst

Currywurst mit Pommes auf einem Teller oben das Logo des Restaurants: Gusticus

Autobahnraststätte Siegburg Ost. Auf dem Teller: die obligatorische Currywurst mit Pommes. Darüber: 

Gusticus

Gusticus – was ist das für ein Name?
Ein Boomer-Witz à la "Gusticus, kommt das von Gustav – ho ho"?
Von Gusto, dem Geschmack? Ziemlich ambitioniert bei der Currywurst.

Gusticus? – Gusticus? Klingt nach Asterix –
und tatsächlich: Diese Spur führt uns zum legendären:

Centurio Gaius Gusticus

Präfekt von Colonia Claudia Ara Agrippinensium anno 38 v. Chr. – oder wie wir sagen würden: Köln im Jahr Minus Achtunddreißig.

Damals verlief dort übrigens die Via Appia Tertia (Appia III) – heute besser bekannt als A3.

Die Ursprünge der Wurst

Die Currywurst wurde ursprünglich in Rom erfunden –
als Salsicia calida cum pulvere orientali.

Ein weiterer Fail der Römer: Calida – angeblich „warm“,
in Wirklichkeit meist lauwarm bis kalt.
Die Germanen, vom Wettergott nicht gerade verwöhnt, machten kurzen Prozess:
Wurst muss heiß. Punkt.

Eingeschleppt wurde sie von Centurio Gaius Gusticus.
Wie Funde an der Grabungsstätte Brenner Mautstation Sterzing zeigen.
Eine invasive Art – nicht nur die Gaiusse,
sondern vor allem die Salsicias.
Oder doch Salsiciä? Noch heute wird gerätselt,
ob sie entkam oder ausgewildert wurde.

Fakt ist:
Sie hat Tofu-Schnitzel, Grünkern-Bratling und Spinat
aus dem Speiseplan der germanischen Legaten verdrängt.

Sie beendigte die germanische
„Fleisch-am-Stiel-Epoche“ – Keulen, Haxen, Flügel, alles mit Griff – annähernd sofort.
Zumal „Fünf Bier sind auch eine Mahlzeit“ noch über 1500 Jahre auf Freigabe durch das „deutsche Reinheitsgebot“ warten musste.
Schon damals war die germanische Bürokratie gründlich, aber nicht besonders flott.

Der deutsche Widerstand – am Spieß

Während der Rest der Welt zivilisiert mit Besteck isst,
blieben wir dem Stil treu – dem Stiel.

Vielleicht war es sogar Widerstand –
gegen das römische Besteckdiktat.

Nicht aus Not, sondern aus Prinzip
begann man, die Currywurst mit kleinen Holzspießchen zu essen –
als symbolischen Knochenersatz.

Die Römer hingegen versuchten vergeblich,
Currywurststücke auf der Gabel zu drehen.

Fazit:
Wer hätte gedacht, dass in jeder Currywurst ein kleines Stück antiker Rebellion steckt?

Gold vs. Ketchup

Der Weg von der Salsicia zur Currywurst
war ein Akt radikaler Ökonomisierung.

Der Römer verband Essen mit Status.
Es wurde nicht gegessen, es wurde repräsentiert.
Die Salsicia kam im Liegen, gerne mit Goldstaub –
nicht wegen des Geschmacks,
sondern weil man es sich leisten konnte, Metall auszuscheiden.
Heute kennt man das als Dubai-Currywurst.

Ganz anders der Germane, speziell der Alemanne:
Arbeit war gottgewollte Frömmigkeit.
Frömmigkeit duldet keine Mittagspause.
Wer im Liegen isst, sündigt am Bruttosozialprodukt.

Also ersetzte man Gold durch Ketchup.
Gleiche Farbe, bessere Haftung, günstiger.
Das teure Gewürz der Cäsaren
wurde zum profanen Currypulver –
maximaler Geschmack bei minimaler Investition.

Die Currywurst ist also die Salsicia des kleinen Mannes
befreit vom Protz, optimiert für den Verzehr im Stehen,
während der Dieselmotor draußen an der Zapfsäule
schon wieder ungeduldig hustet.

Warum eigentlich Gusticus?

Ach, wir waren bei Gusticus, nur weil –
na ja, weil.

Fragen wir anders:
Kennen Sie deutsche Autobahnparkplatztoiletten?

Genau deshalb: Autobahnraststätte.
Deshalb Gusticus.
Und davor: Sanifair – für die Gattin.
Ein Euro fürs Pinkeln.
Dieser Euro kann anschließend bei Gusticus eingelöst werden.
Kann – bzw. muss, wenn man Schwabe ist.

Currywurst mit Pommes: 9,90 € (minus 1 € Sanifair-Pinkelbonus). Klingt fair.

„Ketchup + Mayo dazu?“ – „Klaro.“ – „10,90 €.“

Fuck. Fuck. Fuck.

Was genau ist eigentlich fair an Sani,
wenn man anschließend bei Gusticus geschröpft wird?





Samstag, 3. Januar 2026

ein gutes Neues?

Man kann ein Jahr auf verschiedene Arten beginnen.

Ich war heute schwimmen.
Bombe.

Andere greifen Venezuela an.
Respekt.