Donnerstag, 23. Juli 2026

Ich würde es ja so machen

Ich würde es ja so machen.
Ich würde hartnäckig behaupten, 
die Wahl von 2020 sei gefälscht gewesen.
Nicht einmal. Nicht zweimal.
Immer wieder. Und wieder.
So lange,
bis ein Teil der Menschen
es nicht mehr glaubt.
Sondern weiß.

Ich würde es ja so machen.
Ich würde mir eine Inlandspolizeitruppe aufstellen.
Unter dem Vorwand,
illegale Ausländer zu finden,
festzunehmen
und abzuschieben.
Nein.
Ich würde sie natürlich nicht Gestapo nennen.
Ich würde ihr einen modernen,
Namen geben. Technokratisch. Kühl.
ICE zum Beispiel.
Ich würde es ja so machen.
Noch vor den kommenden Zwischenwahlen
würde ich die Wahlprozedur verkomplizieren.
Nicht die Wahlen abschaffen.
Um Gottes willen.
Nur die Regeln ändern.
Ein Formular mehr.
Ein Nachweis mehr.
Eine Frist weniger.
Ein Wahllokal weniger.
Alles natürlich nur,
um die Wahl sicherer zu machen.
Denn wer könnte schon
gegen sichere Wahlen sein?
Und wenn am Ende
ein paar Hunderttausend Menschen
nicht mehr wählen können,
dann wäre das eben der Preis
für die Demokratie
und die Sicherheit.
Ich würde es ja so machen.
Und natürlich
dürften weiterhin alle wählen.
Alle,
die sich am Wahltag
noch auf die Straße trauen.
Die an meiner Gestapo vorbei—
Entschuldigung.
An meiner ICE-Truppe.
Die ihre Papiere dabeihaben.
Die nicht zufällig
falsch aussehen.
Die nicht zur falschen Zeit
am falschen Wahllokal stehen.
Die nichts zu verbergen haben.
Also wirklich alle.
Für die Demokratie.
Und die Sicherheit.
Ich würde es ja so machen.
Ich würde vielleicht sogar
einen bewaffneten Konflikt
vom Zaun brechen.
Nicht unbedingt,
weil er notwendig wäre.
Nur für den Fall.
Für den Fall,
dass man plötzlich
einen äußeren Feind braucht.
Einen Ausnahmezustand.
Eine Begründung,
warum Kritik gerade
unpatriotisch ist.
Warum Freiheit
noch ein wenig warten muss.
Und warum Wahlen
im Moment wirklich
nicht das Wichtigste sind.
Natürlich nur
für die Demokratie
und die Sicherheit.
Ich würde es ja so machen.
Nach den Zwischenwahlen
würde ich mich zum Sieger erklären.
Unabhängig vom Ergebnis.
Gewinnen die anderen,
war es Betrug.
Gewinne ich,
war es nur durch meinen persönlichen Einsatz
für die Demokratie
und dafür,
dieses Land
wieder groß zu machen.
Das Ergebnis stünde also fest.
Nur die Begründung
richtete sich danach,
wer gewonnen hat.
Ich würde es ja so machen.
Ich würde erklären,
dieser Kampf dürfe jetzt
nicht unterbrochen werden.
Schon gar nicht
durch Wahlen.
Denn es gebe nur eine Person,
die Sicherheit,
Ordnung
und Demokratie
auch in Zukunft garantieren könne.
Mich.
Ich wäre
der beste Präsident
des besten Landes
der Erde.
Viermal besser
als jeder vor mir.
Neunmal besser
als jeder nach mir.
Ach was.
Achttausendmal besser.
Wie sollte mich da
jemand ersetzen können?
Mich.
Den Mann,
der dieses Land
nach so langer Zeit
wieder groß gemacht hat.
Man ersetzt schließlich
auch keinen Rettungsring
durch einen Mühlstein.
Also bliebe ich.
Nicht für mich.
Nicht aus Machtgier.
Nur aus Verantwortung.
Auf Lebenszeit.
Für das Land.
Für die Demokratie.
Und die Sicherheit.
Ich würde es ja so machen.

Und das alles, 
im Land der älteste Demokratie der Welt. 

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