Sonntag, 26. Juli 2026

Abendmahl

13 Leute.
Jesus und seine zwölf Jünger – alle an einem Tisch.
Und wie uns Leonardo zeigt: an einem langen Tisch. Einem sehr langen Tisch.
Dreizehn Leute nebeneinander – auf einer Seite.

Alle.

Nebeneinander wie der Elferrat bei der Säschn.
Komisch – hier steht „Session“.
Ah, jetzt: das wird deutsch gesprochen. Sess-ion. 

Humorlos, wie sich’s gehört.

Allerdings nur elf.
Sonst wäre es ja ein Dreizehnerrat und kein richtiger Elferrat.
Oder nebeneinander wie ein deutsches Ehepaar.

Mit Hund. Im Restaurant.

Kein Dreierrat und auch kein Dreirad.

Nebeneinander:
Karl-Heinz,
der Tragedackel

und Susanne.

Jesus mit seinen Jüngern.
Nur Männer. Keine Frau.
Elferrat: Auch die Prinzessin – natürlich ein Mann.
Hier: null gespielte Frauen. 

Dort: eine – gespielt von einem Mann.
Gleichstellung, solange sie vom eigenen Geschlecht gespielt wird.
Nebeneinander wie bei einer Pressekonferenz.

Elf Männer.
Mancher mit Orden, mancher mit Restalkohol.
Überzeugt, Humor sei etwas, das man laut ankündigen muss:

Ta-Töööö!

Eine Männerclique, die sich selbst beklatscht.

Elferrat oder Elf-Verrat?
Elf Verräter.
Verraten haben sie, dass sie ohne Pappnase humorlos sind.
Dass am Aschermittwoch alles vorbei ist.

Vor allem der Witz. Falls der je da war.

Ta-Tööö!

Beim Abendmahl: dreizehn beim Essen.
Beim Elferrat: elf beim Trinken.
Dort nur einer, der verrät.

Hier elf Verräter.

Nebeneinandersitzer – die drei auf der Frühstücksterrasse.
Quadratische Tischchen, gedacht für gegenüber.

Aber nicht für Karl-Heinz und Susanne.
Sie schnappen sich ein zweites Tischchen, rücken die Stühle um:
Rücken zum Saal. Gesicht zur Wand. Aber nebeneinander.

Vor ihrem Hund sprechen sie sich mit Vati und Mutti an.
Der Tragedackel sitzt in der Mitte. Auf einem Stuhl.
Eine Rasse, die anscheinend auf dem Arm lebt.
Vielleicht sollte man Hunde mit Tragegriff züchten. 

Ergonomisch. Beinlos vielleicht – optional.

Stoßen sie lieber mit den Ellbogen aneinander, als sich anzusehen?
Tauschen sie halbstündig die Plätze – wegen drohender Nackensteife?

Wann begann das, dass sie sich nicht mehr anschauen – konnten?

Vielleicht zur selben Zeit, als Leonardo da Vinci beschloss, das Abendmahl zu malen.
Dieser Mann, der fast den Hubschrauber erfunden hätte.
Perfekte Raumperspektive, fluchtende Wände, Meisterwerk der Renaissance – 

aber bei der Sitzordnung schummelte da Vinci wie auf einer Theaterbühne:

Dreizehn Menschen.
Alle auf einer Seite.
Damit man ihre Gesichter sieht.
Keine Ecken besetzt. Kein Gegenüber.

Keine Tischordnung wie im Leben.
Nebeneinander.

Die Dreizehn. Die Elf. Die Drei.

Hätte Leonardo doch einfach einen Acht-Meter-Selfiestick erfunden.
Da Vinci hatte keinen. 

Sonst hätten sie sich alle selbst fotografiert.

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