Vor genau diesen Schmerzen habe ich Angst. Vor diesem Western-Einrenken. Einer hält fest, einer zieht, ich schreie kurz, dann ist gut.
Der Fahrer, der Jüngere der beiden, hat voll Bock auf Noteinsatz. Viel Trara, Blaulicht, Tamtam. Losbrettern.
Erst als ich die Kollegin frage, ob der Aufwand wegen mir wirklich so groß ist, bittet sie ihren Kollegen, es gemütlicher und ohne Martinshorn anzugehen.
In der Notaufnahme müssen wir erst mal warten. Es ist gerade Übergabe und alle sind gechillt.
Ich liege da halt rum.
Nachdem ich auf eine andere Trage umgebettet wurde, kommt einer mit Kittel und zieht an meinem Fuß. Druck rausnehmen ist der Plan.
Es wäre cool gewesen, hätte er vorher die Bremsen angezogen und mich nicht durch die halbe Notaufnahme gezogen.
Danach werde ich entkleidet.
Mit der Schere.
Aus einer guten Levi's 501 wird eine Stoffbahn.
Zum Glück war wöchentlich frischer Unterhosen-Montag. Und zum Glück wurde ich vorhin von den Rettern so klaglos mitgenommen. Danke, liebe Eltern, für den Tipp. Trotzdem musste die strahlend weiße Schiesser für mein Missgeschick leiden und wurde auch mit Hilfe der Schere in einen sauberen weißen Stofffetzen transformiert.
Nach dem Röntgen kommt der Anästhesist.
Nein, ich habe seit gestern Abend nichts gegessen. Nur um 4:30 Uhr drei Schluck Tee. Ich bin 186 cm groß und hatte heute Morgen 88 kg – nackt und ungeschissen.
Danach gibt es ein intensives Schläfchen für mich.
Die paar Male Vollnarkose habe ich ja immer versucht, auf mehr als 10 zu zählen.
Auch diesmal gelingt das nicht.
Als ich wieder aufwache, liege ich im Ruheraum.
Aus meinem Bein wächst eine eiserne Jungfrau.
Gestänge.
Eisen.
Blut.
Noch 31 Tage bis Projekt X.
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