Montag, 4. Dezember 2023

04.12.2023 - Teil 1 - Auf die Fresse

Montag früh, wie üblich bin ich um 5:00 bei der Arbeit. Heute erst um 5:03 Uhr - ich musste noch kratzen.

Kaum ausgestiegen, kaum 2 mtr. vom Auto entfernt hats mich gelegt, auf die Fresse, auf den Boden, aufs Eis.

Der Boden ist saukalt. Sauer, dass ich zu doof zum Laufen bin - oder zu alt - versuche ich aufzustehen. Das linke Bein, der linke Fuß will nicht so richtig, deshalb stehe ich auf dem rechten. Ich versuche einen Schritt.

Kaum versucht, kaum 2 mtr. vom Auto entfernt hats mich gelegt, auf die Fresse, auf den Boden, aufs Eis.

Der Fuß steht weit nach links. Ich komme nicht hoch.

Auf dem kalten Boden liegend mache ich mir Gedanken, wer denn jetzt meinen Dienst übernehmen kann. Mein Herz rast, die Finger zittern. Irgendwie ins Büro kriechen vielleicht. Robben. Wenn dann um 7 oder 8 alle da sind, kann mich ja einer mal zum Doktor fahren.

Aber robben geht nicht. Auf keinen Fall.

Ich rufe meinen Kollegen an. 5:04 Uhr. Er geht nicht ran. Zittrige Hände, nochmal versuchen. Wieder nichts. Dann Chef anrufen. Der geht auch nicht ran.

Wer macht meine Arbeit?

Und da kommt schon das erste Mal der Gedanke.

Ich muss spätestens in 31 Tagen wieder fit sein.

31 Tage.

Projekt X.

Mir fällt ein, mich um mich selbst zu kümmern, und ich rufe die 112.

Es ist mir peinlich, wegen so einer Kleinigkeit den Notdienst zu rufen. Wegen Ausrutschen. Wegen Hinfallen. Wegen nicht mehr aufstehen können.

Der Rettungsdisponent fragt die Fakten ab, korrigiert meine Straßenangaben und die Hausnummer. Er schickt jemanden.

Manchmal ist es ganz geschickt, das Handy dauernd in der Hand zu haben. Nehmt das, ihr „die Leute unterhalten sich gar nicht mehr direkt, die glotzen nur ins Handy"-Puristen.

HÄTT ICH LAUT UM HILFE SCHREIEN SOLLEN?

Nachts um 5:03 Uhr im abgelegenen Teil des Industriegebiets?

Meine Fresse.

Die Sache mit meinem Dienst ist noch immer nicht geklärt.

Dann ruft der Chef zurück.

„Chef, ich bin gestürzt, ich kann nicht arbeiten, bitte informieren Sie den Kollegen."

„Halte aus, ich bin in 5 Minuten da."

„Kein Stress, alles gut, Rettungswagen kommt, ich kann halt leider nicht arbeiten."

Das war meine heroische Antwort.

„Bin gleich da", sagt der Chef und legt auf.

Ich liege auf die linke Seite gestützt auf dem Boden und zittere. Rufe die Gattin an, die schläft aber noch. Tief und fest. Geht nicht ran.

In der Ferne höre ich ein Martinshorn. Entfernt sich wieder.

Ca. 10 Minuten nach dem Sturz sehe ich einen Krankenwagen langsam suchend die Straße entlang kommen. Mit der Lampe meines Handys mache ich winkend auf mich aufmerksam.

Weiter mit Teil 2: Patient 60 männlich Luxation

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