Samstag, 30. April 2011

Tagesausflug II

Teil 2 – Ausstellung Urban Art

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2011-04-30 030Urban Art ! Eine der Ausstellungen auf dem Gelände der Völklinger Hütte.
In der “Möllerhalle” werden wurden die Rohstoffe zur Stahlherstellung gelagert und zusammengestellt. Die Bunker, die Silos, die Lagerräume sind besenrein ausgekehrt, der Putz bröckelt von den Wanden. Der Boden ist mit Holzdielen ausgelegt. Von draußen fällt Licht herein. Heute dient die “Location” als Ausstellungsraum. Sehr interessant. Das Tageslicht macht einen schönen Effekt.

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P1130204Change, das Bild des amerikanischen Hoffnungsträgers. Siebdruck. Prima alleine wegen der Atmosphäre. Die abgewetzten Wände der Vorratsbunker, der Auslass des Silos. Das Bild schwebt vor der hinteren Wand. Mich begeistert es.

 

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Wie Krake Paul in der Ecke. Tatsächlich ist es ein Monster aus einem frühen Videospiel. Groß, verpixelt. 11x8 Fliesen oder doch Pixel ? Das ist Kunst ? Urbane Kunst ? Mir gefällt’s schon wegen der Wirkung im Raum. Herausgerissen aus dem Videospiel Kontext. Ein Videospiel Monster in der Möllerhalle. P1130207 

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Nochmal gepixelt, nochmal gefliest. Es ist nicht sofort zu erfassen. Ein Mosaik. Nicht sehr präzise, wie es scheint, je weiter man sich entfernt desto besser wird eine Figur sichtbar. Kein ausgeprägter Gesichtsausdruck, eigentlich kein Gesicht, nur der Mund und die Frisur sind zu erkennen.  Cool dieses Mosaik aus Rubicks Zauberwürfel zu basteln. Hat der Künstler die Würfel selbst verdreht oder einfach die Aufkleber neu angebracht ? Die Idee, genial diese Idee.

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Hier ging’s nicht ums Bild, um das Kunstwerk. Der Blick durch die durchlöcherte Wand. Die Stahlarmierung. Die Bauart. Zig Jahre lagerten hier Rohstoffe, Erze; wurde Material hinein geschüttet. Rieb das harte Material die Wände ab. Jahrzehnte lang war es hier dunkel laut und staubig. Die Menschen die dieses Eisen zur Verstärkung in diese Mauer eingebracht haben sind heute sicher schon tot. Kein Gedanke daran, dass dies heute als Ausstellungsgelände genutzt wird. Faszinierend.

 

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Noch das alte DB-Logo. Hippe Comic Graffiti Streetart ist dann doch wohl auch schon in die Jahre gekommen. In den 80ern des vorherigen Jahrhunderts war das Avantgarde. Scheint ein Problem der darstellenden Kunst zu sein, dass man einfach mindestens 20 Jahre warten muss, bis man Ausgestellt wird. Die Option posthum zu Ehre zu kommen ist Keine. Dieses Stück, typisch, Roboter auf Zug.

 

 

 

P1130220Triste Wohnblocks, gleichförmige Fassaden, die obligatorischen Satelliten Schüsseln, sonst menschenleer, ein Spot fällt auf den Eingang einer dieser Wohn- und Depressionsmaschinen. Ich hatte die Installation gar nicht beachtet, die da als Modell mannshoch aufgestellt war. Die Gattin hatte den Reiz entdeckt, in dem sie den Foto auf den Boden stellte. Ich hätte gern auch den Blick für die Perspektive. Kaum sind wir weiter, erkennt das junge Pärchen auch wie man das sehen kann. Bitte wir haben gerne geholfen

 

 

P1130224“Die Menschen erobern sich die Stadt zurück” die Fotografie eines geduckten, sprungbereiten Sprayers glorifiziert Diesen. Der Schwabe in mir denkt an all den Dreck, an Schmierereien und ans Eigenheim, das man nicht verunziert haben will.

Man merkt, ich sehe es deutlich kritischer, kann auch nicht erkennen wieso man sich die dunkelsten Ecken, die abgefucktesten U-Bahnen erobern will und nicht helle, grüne Parks

 

 

 

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P1130256Reicht es dem comicartig gezeichneten Nerd, sein Tag (sein Erkennungszeichen) auf der U-Bahn durch die Stadt gebrüllt zu sehen ? Ist sonst Alles gut ?P1130236 P1130198P1130262Ich zweifle.

 

 

 

 

 

 

Farborgien, vom vom Tageslicht beleuchteten Ausstellungsraum, die Atmosphäre ist gigantisch.

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Gegenübergestellt in einem Raum, schon an der Technik erkennt man den Zusammenhang. Sind das die häufigsten Todesarten der amerikanischen Teenager ? Würden wir einen Golf GTI und eine Suzuki GSX R gegenüberstellen ?

 

P1130227Marylin, nicht zeitgemäß, die Zeit von Marylin Monroe ist definitiv vorbei. Wie alt wär die heute, die meisten von uns waren zu ihrer Hoch Zeit noch gar nicht auf der Welt. Aber jedes Künstlerlein, das ein bisschen auf sich hält, hat eine Marylin in Programm. Hier besteht die Verbindung zur Urban Art, darin, dass ein Graffiti – Bubble – Font verwendet wurde. Ich find’s einfallslos.

P1130237Dies hier, warum wird es bei der Urban Art, bei der Ausstellung Urbaner Städtischer Kunst gezeigt. .Aus einem Kinderbuch der 1990er entsprungen, diese Figur ? Daran erinnert es mich. Würde das Bild gar nicht beachten, wenn ich es nicht an diesem Ort gesehen hätte. Sicher.

 

 

Des Kaisers neue Kleider ? Ich weiß, kritisieren ist leicht, besser machen um so schwerer. Und ja, der Künstler hat sich was gedacht - so hoffe ich zumindest.
P1130233 2 Warnbaken in die Vertikale gedreht, nein, nur das ist kein Zeichen von Kreativität. Rechts ein OX Emoticon - O für die Umarmung, X für den Kuss ? Ein Emoticon für 2009, das chinesische Jahr des Ochsen ?   Ein Emoticon um Frustration und Verwirrung anzuzeigen ? Die fast schon fingerdick aufgetragenen betont pfuschig wirkenden rosa Streifen, mit Absicht angebracht oder war die Farbe einfach nur da ? Man muß den Zusammenhang zur Zweiten, der linken Planke herstellen, denke ich, enventuell dreht sich ja rechts von links weg ?

P1130261P1130259P1130258P1130241P1130248P1130250Farborgie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Freitag, 29. April 2011

tot

2011-04-29 004Gepflegt wird der Gedenkstein von zwei Hobby Historikern. Kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs in Stuttgart, genauer zwei Stunden vor der Übergabe der Stadt wurde hier ein Mensch von einer Panzergranate getroffen. Der damals 37 Jährige Soldat hinterließ eine Frau und eine 5 Monate alte Tochter.

Jetzt ist er schon mehr als 66 Jahre tot.

Am 21. April, dem Todestag wird der Stein, an dem kleinen Park, an der Haltestelle Bopser, geschmückt. Damalige Augenzeugen beschreiben, dass sich schon jeder auf ein Leben nach dem Krieg vorbereitet hat. Bestimmt hatte auch er sich Gedanken gemacht, war froh, dass Alles demnächst vorbei sein würde. Dann war er tot.

Traumhochzeit

Ist heute an mir fast spurlos, auf jeden Fall spürlos an mir vorbei gegangen. Und wenn die Anderen daran Spass haben, wenn die das im Fernsehen sehen wollen, wenn die Radio oder Internet anmachen nur das sehen. Irgend wann ist’s dann vorbei, wir können wieder zum Tagesgeschäft übergehen und gut wars.

Donnerstag, 28. April 2011

aushalten

Mein Radio, mein SWR1 entwickelt sich rein musiktechnisch immer mehr zum Opa Radio. Kaum ein Titel von vor 1990, wenn was aktuelles kommt, dann die Probeballons der üblichen Verdächtigen, derjenigen,  die es immer noch nicht glauben können oder wollen, dass ihre Zeit vorbei ist oder nie war. Grönemeyer, Lindenberg, REM als modern Lena, bei dieser Musikauswahl kommt mir einfach das kotzen.

Deshalb habe ich heute morgen, seit 7.00 Uhr mal SWR3 eingeschalten. “Morning Show mit Zeus und Wirbitzky”- wie haltet IHR das aus, habt ihr Morgens noch so viel Restalkohol, dass es Nix ausmacht ? Habt ihr lustige Pillen ? Wie würden die jungen Leute sagen: “Das geht gar nicht”

Die Musik, klar die Musik ist Prima. Aber der Schwachfug, dieses pseudolustige Geplapper, dieses angestrengt niemals Komische. Und wieso 2 Leute ? Der eine kann lesen oder wenigstens den Zettel halten, der andere sprechen oder wenigstens stammeln.

Mittwoch, 27. April 2011

theoretisch

Mal angenommen. Mal angenommen man wäre eine Gemeinde der Weine und Kongresse in direkter Nachbarschaft zu Stuttgart. Mal angenommen, man hätte so um 1993 einfach mal so, und weil es da selbst für Schwarze und Freie Wähler schick gewesen ist, seinen grünen Daumen entdeckt. Man hätte ja eine Baumschutzverordnung erlassen können. Eine Baumschutzverordnung, in der Grundstückseigentümern ein Schutz von Bäumen über einem bestimmten Mindestdurchmesser vorgeschrieben wird.

Mal angenommen, es hätte sich bewährt, oder wenigstens keinem der Stadtoberen und Gemeinderäte gestört. Theoretisch wäre dann dieser Artikel schon zu Ende.

Mal angenommen. Mal angenommen, man wäre eine Gemeinde der Weine und Kongresse, die Stadt würde prosperieren, ihr ginge es gut, auch und vor allem finanziell gut. Man hätte mal auf die Idee kommen können, das bestehende Freibad durch ein neues “Kombibad” oder “F.3 Fu$%ing Familien und Freizeitbad” zu ersetzen. Theoretisch hätte das ja auch den einen oder anderen Vorteil. Man könnte das neue Bad nach einem verdienten Bürgermeister benennen, man könnte das neue Bad auf einem für die Gemeinde sonst nutzlosen Agrargrundstück, vielleicht neben dem nicht unbedingt geliebten Jugendhaus errichten.

Mal angenommen. Mal angenommen, man hätte weiter gedacht, man hätte sich überlegt, was denn wohl aus dem Gelände des bisherigen Freibads werden würde. Mal angenommen, die umliegenden Häuser sowie die Kelter würden eine Wertsteigerung erfahren, da nicht mehr neben einem lärmenden von Parkchaoten verseuchten Freibad. Wenn man so weit denkt, wäre es ja auch theoretisch möglich dieses Grundstück der Gemeinde wieder als (Wohn-)Bauplatz zu nutzen.

Mal angenommen. Mal angenommen, man wäre eine Gemeinde mit einer Baumschutzverordnung, die den Bestand vor allem alter dicker Bäume schützt, andererseits Besitzer eines großen innerstädtischen Grundstücks, das sich hervorragend für den Wohnungsbau nutzen ließe. Eines Grundstücks, das im Augenblick aus 3 Schwimmbecken, einen Kiosk und Umkleidekabinen, viel ja sehr viel Wiese und aus alten dicken Bäumen besteht. Theoretisch ließe sich ja die städtische Baumschutzverordnung ändern.

Mal angenommen. Man angenommen, man wäre Gemeinderat. In der Landeshauptstadt an der Gemarkungsgrenze tobt ein bundesweit beachteter Streit um ein Bauprojekt. Mal angenommen, vor wenigen Tagen hätte es eine Auseinandersetzung zwischen Baum- oder Natur- oder richtiger Parkschützern und der Polizei gegeben. Mal angenommen, man merkt als Gemeinderat dann, dass es im Augenblick nicht opportun ist eine Baumschutzverordnung zu kippen, dass das Volk dafür gerade kein Verständnis hat.Theoretisch sollte man sich ja zum Wohle, seiner Bürger, seiner Gemeinde entscheiden. Theoretisch hat man ja eine Mehrheit im Gemeinderat, sollen doch die Anderen, denn theoretisch könnte man ja auch mal verhindert sein, es kann ja auch nicht sein, dass man als Gemeinderat am Ende gar keine Freizeit mehr hat, dass man streng und strikt an jeder Sitzung und Abstimmung teilnehmen muss.

Mal angenommen, meine ganzen Annahmen wären real. Mal angenommen, die die Baumschutzverordnung wurde durch ein Patt, 13:13 Stimmen da 3 Mitglieder der Freien / Schwarzen fehlten nicht gekippt. Theoretisch ist dann dieser Antrag erst wieder in 6 Monaten auf dem Tisch.  - ein bissle blamabel bleibts aber schon.

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P.S. (ein Persönliches Sodele):

  1. ist das oben Gesagte ein alter Hut, die Abstimmung über die Baumschutzverordnung war im Oktober 2010
  2. find ich es richtig gut, dass die Stadt  dieses Bad baut, besser als wenn das Geld in irgendwelche Segelflugzeuge für die Fliegergruppe, der Stadt oder als Transferleistung in andere Städte, Bundesländer, Partnerstädte oder sonst wo geht.
  3. gehen mir die scheinheiligen vorgeschobenen Argumente gegen die Baumschutzverordnung auf den Sack, so: “die Bürger haben dadurch, dass sie ihre Gärten und Grundstücke pflegen gezeigt, dass sie ein Umweltverständnis haben und somit ist die Verordnung unnötig”, “die Verwaltung soll vereinfacht werden”
  4. find ichs halt trotzdem beschämend, wie sich der Staat, der Bund, die Länder, die Kreise und Gemeinden ihre ganzen Gesetze und Verordnungen zu ihrem Vorteil einrichten,

Montag, 25. April 2011

Theater

Und Nix anderes. Dieses verkackte Geheuchel um den Sprit. Gerade jetzt zu Ostern. Der Sprit wird knapp über Ostern, schon am Ostermontag könnten einige Tankstellen leer laufen so die Sprecher der Mineralölkonzerne. Schuld, ist natürlich E10 kein Mensch kauft diesen Lieblingskraftstoff Unserer ? Unserer, ja jetzt, wisst ihrs noch ? Genau, der Lieblingskraftstoff unserer KLIMAKANZLERIN, wie sie sich ja seit Heiligendamm und bis, na ja, jedenfalls bis sie merkte, dass es ihre Wähler nicht so brennend interessiert nennen lies. In diese Zeit fiel auch z.B. der E10 Beschluss. Dass das jetzt zur Unzeit, in dem Jahr der bisher größten Politikkatastrophen nach der Wahl der Kanzlerin umgesetzt werden muss ist natürlich schlecht. 

Und weil wir lieben Deutschen keinerlei Probleme damit haben wenn unsere Nutztiere mit Motoröl gefüttert werden, wohl aber wenn unser geliebtes heiliges Blechle mit Biokraftstoff statt mit Super Dupper Trippel Plus Sprit gefüttert wird, ist das Chaos auch schon perfekt. Wenn sich dann auch noch des Deutschen liebste Bild Zeitung fragt, ob es denn nötig ist, dass regelmäßig zu den Osterferien die Spritpreise erhöht werden gab’s für die Konzerne bestimmt nur noch dieses Mittel. Da mussten die Pressesprecher halt ran, da wurden die Argumente herangezogen, notfalls auch an den Haaren. Die Tanklaster dürfen wegen des Feiertagfahrverbots nicht fahren, die Verbraucher nehmen kein E10 obwohl die Tankestelle ausgerechnet ihren größten Vorratstank damit gefüllt haben. Der Gesetzgeber gibt eine nur 1 Monatige Übergangsfrist um von der “Winterware” auf die “Sommerware” umzustellen. Und was macht unsere sich gerne als 4. Verfassungsmacht gebärdende Presse. Sie plappert den Scheiß hemmungslos nach. Liegt’s an den Osterfeiertagen, dass nur Volontäre in den Redaktionen waren ? Schreiben die nur noch voneinander den Mist der Pressesprecher ab ? 

Nein ich habe keine Lust auf die schwachsinnigen Argumente einzugehen, wer den Mist glauben will, soll das halt tun. Was sich natürlich ganz gut trifft ist, dass diese Meldungen an dem Tag im Jahr mit dem höchsten Spritpreis raus kommt. Und so manche Dachlatte hat da am Sonntag gedacht, so schnell noch den Tank gefüllt, koste was es wolle, bevor es morgen nichts mehr gibt. Klar ging die Rechnung der Konzerne auch auf. Manchmal hat man den Eindruck, wir Deutschen sind besonders dumm.

So und nun am Ostermontag Abend, nachdem die ganze Sache problemlos an uns vorbei gegangen ist, merkt’s dann auch der ADAC und gibt Entwarnung. Und noch einen Tag unser Verkehrsminister Ramsauer. Nochmal Glück gehabt.

Turm

2011-04-25 012Als im Großraum Stuttgart lebender Mensch kennt man natürlich den Stuttgarter Fernsehturm, der allgegenwärtig das Bild von Stuttgart prägt. Mir sind jetzt am Ostermontag Morgen noch zwei andere Türme eingefallen. Zuerst, wollt ich mal den Bismarckturm anschauen. Das Auto am elitären Tennisclub Weissenhof abgestellt, von dort über die Wiese zur Strasse am Bismarcktum.

Heute im Ohr: Peter Fox mit Cold Steel. Eine gigantische LiveCD vom Konzert in Berlin. Auch nicht sehr schlampig die Gegend. Großzügige Garagen, Grundstücke, Häuser. Alle mit Mauern drum rum. An den Klingeln und Briefkästen nur maximal 2 Buchstaben, ein armer Schlucker hat seinen Benz Kombi an der Strasse abgestellt. Darin 4 Säcke Blumenerde, die wollen über die warmen Tage erst mal verarbeitet werden. Egal, kein Sozialneid aufkeimen lassen, Herr Fox treibt mich beschwingt mit “Lok auf 2 Beinen” weiter, wir sagen dazu es groovt.

2011-04-25 002Weiter, schon vor einem Jahr bei unserem Besuch in Wuppertal ist mir dort ein wuchtiger Bismarckturm aufgefallen. Ja, der sah so richtig nach Kaiserzeit, nach monumentaler Architektur aus. Nach ein wenig googeln stellte sich dann heraus, dass dies nicht die einzigen Bismarcktürme sind, nein, es war mal einige Zeit ganz chic einen Bismarckturm zu haben. Wikipedia spricht davon, dass 240 Bismarcktürme errichtet wurden und davon immerhin noch ca. 170 erhalten sind. Ausdruck eines Bismarckkultes um 1900, oft initiiert von den Studentischen Burschenschaften.

2011-04-25 015Die Bismarcktürme oder Säulen waren weniger als Aussichtstürme geplant. Vielmehr trugen Sie oben eine sogenannte Feuerschale, in der zu besonderen Anlässen ein Petroleum Teer Gemisch entzündet wurde, um mit einer hohen Flamme weit ins Land an  Anlass zu erinnern. Und wie in Wuppertal, steht der Bismarckturm auch in Stuttgart, auf einem Hügel, dem Gähkopf 400 m ü.NN. Der Stuttgarter Bismarckturm geht wie 46 andere Türme auch auf den Entwurf „Götterdämmerung“ von Wilhelm Kreis zurück. Somit hätten wir uns den Besuch in Wuppertal sparen können, der ist nämlich baugleich.

Den Besuch in Stuttgart hätte ich mir auch sparen können, öffnet der Turm Sonn- und Feiertags erst um 11.00 Uhr; zu spät für mich. So bleibt’s beim Blick in die Stadt, wieder Überreste eines abendlichen, nächtlichen Trinkgelages entdeckt. Ist’s der selektive Blick, dass ich überall nur noch die Plastikbecher, Orangensaft Tetrapacks und Wodkaflaschen sehe ?

2011-04-25 009Noch einen halben Meter weiter, der Spielplatz, wie aus dem Prospekt für gute, hochqualitative und natürlich auch nicht ganz billige Spielgeräte. Alles noch bestens in Schuss, wer soll’s auch hier benutzen ? Die Kinder die hier hinter den hohen Mauern wohnen haben Platz genug auf ihrem Grundstück, die brauchen nicht den prolligen Spielplatz, die älteren Kinder dort spielen mit ihrem Boxter, Chayenne oder wenigstens SLK.

Heut kann mich das aber nicht runter ziehen Peter Fox beschwingt, lasse mich von der Euphorie der Livestimmung anstecken, werde ein Stadtaffe. Ich geh weiter, in der Nähe liegt der Killesberg.

Nicht so sehr wegen den Aussichtsturm gehe ich zum Höhenpark. Das Gelände einiger Gartenschauen, errichtet auf dem Gebiet eines Steinbruchs. Kann’s immer noch nicht verstehen wie dringend es war alle Messehallen abzureißen, hätte man nicht wenigstens die Messe Kongresshalle B stehen lassen können.

Können wir uns in Stuttgart wirklich nicht vor schönen, guten Veranstaltungssäalen retten ? Wollten wir eine große urbane Fläche zum exklusiven Baugebiet machen ? Hätten eventuelle Veranstaltungsbesucher die Ruhe gestört ? Wie lange dauert es noch, bis wir das Höhenfreibad platt machen ? Wo sind oder waren die “wir sind gegen Alles” Wutbürger ? Gab’s dort keinen Juchtenkäfer, waren die paar Bäume nicht schützenswert ? Ich merke wie ich mich wieder in etwas rein steigere, muss ruhiger werden, werde ruhiger.

Ruhig, das Auto abgestellt, Feiertagsmorgens um kurz vor neun. Rein in den Park. Gejoggt wird hier kaum, böte sich doch an. Ein Alter walkt nordic. Zwischen den Liedern höre ich das Zwitschern der Vögel. Ich weiß wo ich hin will, freue mich darauf. Kann es schon kaum erwarten. Mische mir mit der SKIP Taste die richtige Stimmung: “schwarz zu blau” – “guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein…” Foxens Liebeerklärung an seine Stadt.

2011-04-25 027Mir genügt die Milchbar. Milchbar ? Die Milchbar am Flamingosee  so die offizielle Bezeichnung. Entworfen von Rolf Gutbrod 1950 anlässlich der Gartenschau. Leichtbauweise, in die Natur integriert. Schön erhalten. Die Cousine hatte dort ihre Hochzeit gefeiert.Mein Lieblingsbauwerk. An den Hügel gebaut, zweigeschossig, scheint es trotzdem mit dem Geländel verschmolzen.

 

2011-04-25 018Der Zugang von unten am Flamingosee vorbei über die leicht geschwungene Treppe, die gleiche Steigung wie die Umgebung. Der gleiche Stein, das gleiche Material sowieso. Offiziell ist noch geschlossen, so bleibt Zeit, die schmale Terrasse zu begutachten. Belegt mit großen Platten rötlichen Sandsteins, unregelmäßig geformt. Das lässt’s natürlich aussehen.

 

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Offen wirkt’s durch die große Fensterfront. Leicht wirkt’s durch die schmalen Stahlprofile, die die Scheiben locker unterteilen. Das Geländer, alleine wenn ich das betrachte windet sich scheinbar in einem Stück mit diesmal regelmäßigen Bögen, verhindert einen Sturz, ist trotzdem leicht und luftig. Es sind natürlich auch die vielen Details die dieses Objekt Schmuckstück so wirken lassen. Und dass die blaue Farbe nur zufällig gewählt ist, daran kann ich nicht glauben. Hebt sie sich doch damit kaum von dem gespiegelten Himmel ab.

2011-04-25 057Ums Gebäude rum. Die Tür steht offen, der Pächter beginnt den Tag. Ich geh rein. In der Küche ist der Rollladen ein Stück oben. Kuchen warten darauf verkauft zu werden. Der Gastraum ist menschenleer. Angenehmes Klima, nicht dämpfig wie ich es mir vorgestellt hatte. Schaue nach unten, bevor ich die paar Stufen in den unteren Bereich gehe. Aufgeräumt ist’s, Ja es sind Biertische, Bierbänke, was die andere Farbe so alles bewirkt. Die Scheiben völlig klar, nur am fehlenden Wind merkt man ihre Existenz.

2011-04-25 063Zwei fast schon filigrane, Querträger fürs Dach oder um die Fensterfront zu stützen ? Kein fetter Doppel-T Träger kein Teil, das nach Sonderschicht im Stahlwerk aussieht.

Zwei mal Zwei Profile, die wieder wellenförmig abgestrebt sind. Luftig, leicht. Man könnte glauben, das Dach sei nur drauf gelegt, macht sich schon fast Sorgen, dass es beim nächsten Windstoß weg ist. Die Wände in Trockenmauer Optik. Von Efeu bewachsen. Der Boden läuft von der Terrasse herein. An einer Wand noch ein Flamingo Relief stimmig. Stimmig alles passt.

2011-04-25 076Ich bin mit dem Tag und der Welt versöhnt, lasse mir vom Pächter noch kurz Bilder zeigen, wie das Gebäude bei einer Veranstaltung geschmückt ist, zeige meine Anerkennung gehe noch kurz rüber zum Aussichtsturm.

Ganz Schwabe gebe ich natürlich keine 50 Cent in die Kasse, beklage mich dann lieber wieder über irgend etwas. So What ? Das bekomm ich nicht mehr aus mir raus.

Ich will gerade den Turm besteigen, da werde ich von einer Joggerin überholt. Völlig entspannt läuft sie an mir vorbei den Turm hoch. Kurzatmig lasse ich mir Zeit. Schon nach dem erreichen der zweiten Plattform, seh’ ich die Joggerin wieder. Sie ist schon auf dem Rückweg.

Oben dann auch schon fast obligatorisch, die Scheidungsfamilie, diesmal in der Konstellation Großeltern, Vater und mit “über Ostern ist der bei Dir” Sohn. Frustrierend, wie da auf heile Welt gemacht wird.

2011-04-25 100Wie erwartet ein überwältigender Blick über Stuttgart. Ich genieße es. Überlege ob ich als Spanner in die Penthäuser rein zoomen soll, entscheide mich diesmal für den einmaligen Ausblick und Fotografiere das nicht.

Beobachte wie sich die Liegewiese im Tal der Rosen langsam füllt, wie sich die Menschen einrichten. Freue mich an der geordneten Farbenpracht der Beete. Ein Aufwand der sich wirklich lohnt. Werde mich auf den Heimweg machen, die Gattin meldet sich am Handy genug für heute.

Freitag, 22. April 2011

Tradition

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Eine Tradition, die die Gattin und ich schon seit Jahrzehnten pflegen. Am Karfreitag ne ordentliche Portion Fleisch zuführen. Diesmal:

Maredo Stuttgart:

die Gattin: 400 gr Rib-Eye, Kräuterbutter, Knoblauchbrot

ich: 300 gr Rib-Eye, 1xSalat, Kräuterbutter, Pommes.

Gut war’s

 

Achso, das Projekt 86,9; Stand im Augenblick: 86,7 kg

terrassenförmig

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Terrassenförmig, die Becken. Versetzt, übereinander angebracht. Jedes einzelne mit anderen Kacheln ausgelegt,manche quadratisch, manche rautenförmig angeordnet. An so einem sonnigen Tag, stelle ich mir vor, sie wären tatsächlich mit Wasser gefüllt, würden glitzern, würde die verschiedenen Beckenfarben nochmal ganz anders darstellen. Stelle mir silbrige Wasser Vorhänge an den Überläufen zum nächsten Becken vor. Stelle mir ein leises Rieseln vor. In Betrieb habe ich die Wasserspiele noch nie gesehen, weiß auch nicht ob ich es jemals noch sehen werden. Es heißt, dass die Wasserspiele schon seit Jahren nicht mehr in Betrieb seien. Die Renovierung oder Sanierung würde Unsummen kosten. Wo bleibt der Denkmalschutz, wenn man ihn einmal braucht ? Vielleicht ist ja jetzt in der Zwischenzeit auch die Eigentumsfrage unklar. Vielleicht gehören die Wasserspiele ja auch zur Konkursmasse eines 1 Euro Immobilien Geschäfts.
Fakt ist, dass die ganze Anlage in einem erbarmungswürdigen Zustand ist. In jedem Becken fehlen Fliesen. Der Beton der Beckenränder ist an einigen Stellen abgebröckelt. Das unterste Becken ist vollkommen zugewachsen, mit Moos und Erde bedeckt. Die Steine der Furt im oberen Bassin sind lose und verschoben.

Mittwoch, 20. April 2011

Trauer

Heute trauert die Welt, zumindest die Medien- und Journalistenwelt um Tim Hetherington – Fotograf – preisgekrönter Pressefotograf – bekannt für seine Bilder aus den aktuellen Kriegen und Bürgerkriegen. Ein Kriegsreporter, umgekommen durch eine Mörsergranate in Misrata in Lybien.

Wenn man einfach mal davon absieht, dass jeder gewaltsame Tod unnötig ist, dass jeder Tod und jeder Tote schlimm ist und Trauer und Trauernde hinterlässt – was soll’s ? Ist der Tod von Prominenten trauriger, erwähnenswerter als der Tod anderer ? Wenn man dann noch bedenkt, dass der Tod Hetheringtons augenscheinlich und das jetzt wirklich nur in Anführungszeichen, wenn dieser Tod eigentlich “nur” ein Unfall war, sprich, diese Mörsergranate nicht abgefeuert wurde um den Journalisten zu töten. Wie viele Menschen sind durch Granaten vor, beziehungsweise nach dem Treffer Hetheringtons noch gestorben ?

Natürlich brauchen wir Kriegsreporter, woher sollen wir auch die Bilder von Tod, Elend und Zerstörung nehmen ? Wir brauchen unabhängige Journalisten, die darüber berichten, die staatlichen Organe, beziehungsweise die Handybilder der Betroffenen sind nicht verifiziert, nicht glaubhaft genug, wir wollen authentisch informiert werden. Und nur die Deathcams aus irgend welchen Hightech Geschossen und dort nur schwarz weiss, Sekunden vor dem Einschlag sind eher unbefriedigend, weil mittlerweile nicht mehr spektakulär genug.

In der Recherche zu diesem Artikel habe ich mir bei der Spiegel Fotostrecke Bilder von Hetherington betrachtet. Sehr oft zeigen sie leider auch eine Art Kriegsromantik. Ist der Kriegsreporter nicht nur der Beobachter, sondern macht er sich nicht auch das eine oder andere Mal als Adrenalinjunkie, als Westentaschen Hemmingway zum Held ? Und dann, trotz Allem, was bewirkt dieses erschütternde Bild ? Nix, Garnix, Nothing, Niente, Nada, Rien ! Ein paar Menschen sind kurz geschockt und – “äh Schatz reich mir bitte mal die Butter” – und weiter geht’s. Schafft der Kriegsreporter die große Weltöffentlichkeit, die Gegenöffentlichkeit, die verhindert, dass Gräueltaten geschehen ?

Und so fürchte ich, dass auch dieser Tod sinnlos war, wie jeder Tod sinnlos ist. Die Trauer aber bleibt, nicht nur über Herrn Hetherington sondern über alle Opfer von Krieg und Gewalt.

Sonntag, 17. April 2011

Tai Chi

2011-04-17 187 Das Tàijíquán (chin. 太極拳 / 太极拳, IPA (hochchin.) [tʰaitɕitɕʰyɛn], W.-G. T’ai-chi-ch’üan), auch T’ai-Chi-Ch’uan oder chinesisches Schattenboxen genannt, verkürzend manchmal auch nur Tai Chi, ist eine im Kaiserreich China entwickelte Kampfkunst, die heutzutage von mehreren Millionen Menschen weltweit praktiziert wird und damit zu den am häufigsten geübten Kampfkünsten zählt. In der Volksrepublik China ist Taijiquan ein Volkssport und in den Parks der Städte sieht man in den Morgenstunden tausende von Menschen beim Üben der langsamen, fließenden Bewegungen. Vor allem in jüngerer Zeit wird es häufig als allgemeines System der Bewegungslehre oder der Gymnastik betrachtet, das einerseits der Gesundheit sehr förderlich sein soll, andererseits der Persönlichkeitsentwicklung und der Meditation dienen kann. Immer häufiger tritt der Kampfkunstaspekt hinter diesen Aspekten zurück und verschwindet bisweilen ganz. Diese Einführung ist komplett bei Wikipedia gecopyandpasted oder guttenbergisiert worden, sprich wurde von einem Wikipedia Artikel kopiert, der sich übrigens hier befindet. Genug klug geschissen. Man kann’s sich denken. Richtig, der nächste schlaflose Sonntag Morgen. Tai Chi ist’s natürlich nicht, was die polnischen Spargelnutten in der Frühe betreiben. Mit vereinten Kräften decken sie die schwarzen Folien von dem Spargelfeld ab. Viel Handarbeit herrscht beim Spargelanbau auf dem Schmidener Feld, viel dieser Arbeit wird von den  Saisonarbeitern erledigt. Auch natürlich am Sonntag Morgen um 8.00 Uhr. Wir wollten nicht mit denen tauschen. 2011-04-16 002Deshalb nochmal runter zum Kursaal in Bad Cannstatt. Von mir früher eher links liegen gelassen, diesmal jedoch genauer betrachtet. Am Königsplatz das Auto abgestellt, auf den Platz vor dem Kursaal,. Hier versuch ich mein Tai Chi, versuche innere Kraft zu finden, nicht durch fließende Bewegungen nach der Ausrichtung in eine bestimmte Himmelsrichtung. Mein Tai Chi: iPod 3G Eminem, Musik ins Ohr, gerne laut, oft zu laut, nur die Sonne geniessen, merken wie die Temperatur ansteigt, heute riecht es selbst hier nach Frühling. 2011-04-17 134Ich betrete den unteren Kurpark, sehe gleich eine Skulptur auf einer Säule. Gut, das Gartenbauamt ist noch nicht ganz auf der Höhe der Sommerzeit, das Becken in dem die Säule steht ist noch trocken. Der Junobrunnen, gestiftet  vom  “Verschönerungsverein Cannstatt 1910” vor hundert und einem Jahr. Obenauf Juno, die römische Göttin der Ehe und Geburt. Begleitet von einem Pfau, der für die Schönheit steht. An der Säule vier Putten auf je einem Delphin als Wasserspeier, in der griechischen Mythologie der Göttin Demeter, der Fruchtbarkeit zugeordnet. Jede der vier Putten hat in der Hand ein sinngebendes Symbol, das sich mir allerdings oft erst nach erfolgreichem googeln ergeben hat, es sind dies: 

Meerschnecke
GetreidegarbeDie Meerschnecke für den Fischfang links,



die Getreidegarbe für den Gartenbau rechts.


Obstkorb
Weintraubender Obstkorb für den Obstbau links
die Weintrauben für, das wisst ihr ja selbst, auf jeden Fall auf dem rechten Bild


Den Zusammenschluss von damals nur Cannstatt ohne Bad und Stuttgart wird durch das Brunnenbecken symbolisiert.

Samstag, 16. April 2011

toll

Die Gattin, der ehemalige Kollege und ich waren am Samstag in Heidenheim. Urban Priol, “Wie im Film” hieß das Programm, Im Congress Centrum. Eine schöner Veranstaltungsort, dem man doch genau ansieht, wie sich da die früheren Stadtoberen ein Denkmal gesetzt haben. Kein Problem zu finden, kein Problem zu parken. Leider nur Butterbrezeln zu essen, dies war aber schon der einzige Schwachpunkt.
Urban Priol ? Urban Priol, ein kleiner Tipp, falls ihr schon zufällig im Fernsehen die Sendung “Neues aus der Anstalt” gesehen habt – der Einarmige ist’s nicht. Vielleicht habt ihr um die Jahreswende schon mal “Tilt, der satirische Jahresrückblick” gesehen. Wenn euch da dieser ungefähr 50 jährige, kleine wuselige, vor seinem Rednerpult, mit einem Weizenglas aufgefallen ist. Wenn Euch wenigstens die Frisur die Anordnung der Resthaare aufgefallen ist, das könnte Urban Priol gewesen sein.
Für uns war’s der zwischenzeitlich zweite Besuch, letztes Jahr im Juli, in Augsburg, hieß das Programm auch schon: “Wie im Film”. Der Name des Programms war tatsächlich der Gleiche. Toll, pünktlich um Acht fing es an, Saallicht aus, Priol betritt die Bühne und ab jetzt geht es los. Fast ohne Punkt und Komma, zerlegt er die nächsten 100 Minuten bis zur Pause die aktuelle Politik. Und das heißt wirklich die aktuelle Politik. Angefangen beim Dioxin Futtermittel Skandal über Karl Theodor zu Guttenberg, Mappus, S21, die Landtagswahlen in BW und RP, die Atomkatastrophe in Japan, Eurorettungsschirm,  Harz IV, von der Leyen, Bildungsgutscheine, HochTief Übernahme, Griechenland und Portugal Hilfe sowie die FDP. Priol benennt die Skandale, die Lügen und Unwahrheiten, prangert die derzeitige Regierung und dort vor allem die Kanzlerin an. Aber natürlich bekommt die Opposition auch ihr Fett weg.  Es ist anstrengend, richtig anstrengend die ganzen Themen und Probleme so schnell aufzunehmen wie man sie von Priol um die Ohren gehauen bekommt.
Danach 20 Minuten Pause, die nicht annähernd ausreichen, einen gesunden Ruhepuls zu erlangen. Anschließend nochmal 80 Minuten. Wie toll, sich immer mehr in Rage redend holt Priol zu einem finalen großen Schlag aus, indem er in einer grandiosen Herbert Wehner Parodie die Bundeskanzlerin total demontiert. Ich kann nicht mehr. Im Augenblick kenne ich keinen Kabarettisten der so scharfzüngig, schnell und treffend die Dinge auf den Punkt bringt.

true

im Inet gefunden, sowas von wahr, leider nicht von mir:
"I deleted my Facebook" is the new "I don't own a TV"

Sonntag, 10. April 2011

Tagebau

2011-04-10 080
Wir kennen es bei uns nicht, wissen auch nicht, was es für Probleme mit sich bringt, wenn in der Nähe Braunkohle im Tagebau gefördert wird. Kein Bagger, der unweigerlich seinen Weg bahnt, der über kurz oder lang, das Haus, das Geburtshaus, den Friedhof oder einfach nur Erinnerungen an früher auffrisst. Keine Vorstellung, wie viel Staub da in der Luft liegt. Nein, bei mir überwiegt die Faszination für Abmessungen, sei es der gigantische Bagger, sei es die riesige Grube, das gewaltige Loch, das wir sahen. Alle Fotos unten.

Samstag, 9. April 2011

Trugschluss

Grund unseres Besuches im Rheinland, in Düsseldorf war ja Folgender: die Gattin hatte mir zu Weihnachten Karten für Horst Lichter “kann denn Butter Sünde sein ?” geschenkt. Phillipshalle Düsseldorf. Die Halle habe ich als immer noch kein Navi Besitzer leichter gefunden, als unser Hotel in Düsseldorf wo wir ja auch erst 5-6 mal waren. Ein Trugschluss also, dass ich mir einen Weg merken kann.
An der Halle reihen wir uns mit dem Auto in der Schlange für den Parkplatz ein. Drei Autos vor uns geht’s nicht mehr weiter, wir sollen direkt an der Straße parken. Ein Glückstag für den Schwaben, 3 Euro gespart – in Stuttgart wär es mehr geworden. Ein schneller Blick am Eingang, diesmal werden selbst wir den Altersdurchschnitt senken,  den Grad des Gesamtübergewichts übrigens auch. Die Einlasskontrolle: nicht die üblichen glatzköpfigen, Anabolika Mutanten, sondern pensionierte Lufthansa Stewardessen, im Kostümchen mit neckischem Halstuch, eine nette Alternative. Bei mir wurde nur das Ticket, bei der Gattin auch noch die Handtasche kontrolliert, Digicams waren verboten.
Sollte jemand geglaubt haben dies sei nur eine weitere Kochshow unterliegt er einem Trugschluss. Herr Lichter versucht sich als…ja, als was versucht er sich denn ? Noch lange nach der Veranstaltung überlege ich noch, was war das jetzt eigentlich. Was es nicht war weiß ich, es war keine Kochshow; es war aber auch nicht Kabarett, dazu fehlten einfach viele kritische Spitzen, es war nicht wie man neudeutsch sagt Comedy, dazu waren die Anekdoten, die Witze nicht gut genug, kamen nicht flott hintereinander. Im Karneval hätt’ man den einen oder anderen schwachen Gag noch mit einem Tatä, Tatä, Tatä aufmotzen können, so erschall oft Stille, oft auch peinliche Stille an Stellen die der Künstler für lustig hielt. Es war als ob der Büroclown, der Klassenkasper, der der bei jeder Familienfeier, bei jedem Ausflug, bei jedem gemütlichen Beisammensein immer das große Wort führt, das erste Mal noch lustig, dann von Mal zu Mal immer peinlicher wird. Ich hatte immer den Eindruck, dass dem guten Herrn Lichter von Freunden oder Bekannten eingeflüstert wurde: “Horst Du bist so lustig, damit solltest Du mal auftreten” und der gute Horst hatte die Möglichkeit das zu verwirklichen und es gemacht. Dafür wars ganz gut, aber man hat doch gemerkt, dass an der einen oder anderen Stelle noch der Feinschliff fehlt, manche Abschnitte machten den Eindruck schnell und schlampig zusammen gezimmert zu sein, eventuell einfach auch nicht bis zum Ende durchgedacht zu sein.
Immerhin, war es sehr sehr kurzweilig, die Gags waren für mich jedenfalls alle neu, ich fand mich gut unterhalten. Besser als die Proll-TV Marzahn Bewohner, immer feixenden Stadion füllende Berliner Animateuren und sonstigen Comedians auf jeden Fall. Nach einer Stunde gab’s ne 20 Minütige Pause, danach nochmal eine Stunde Programm. Die Zugabe gab Herr Lichter auf Ansage auch ohne Aufforderung. Vielleicht ist er selbst nicht hundertprozentig von sich und seiner Show überzeugt.
Somit waren wir kurz nach 23.00 Uhr im Auto, dank unseres genialen Parkplatzes an der Strasse dann auch bald kurz vor dem  Hotel als sich bei uns nochmal der Hunger meldete. Ein weiterer Trugschluss ist anzunehmen, dass man am Samstag Abend gegen 23.30 Uhr noch problemlos überall in Düsseldorf etwas zu essen bekommen kann. Gut, den lieben Touris verkauft man, dass die Düsseldorfer Altstadt die längste Theke der Welt sei. Überprüft ob man dort noch etwas zu essen bekommt weiß ich nicht. Was ich weiss, ist das in der Peripherie entlang der Strasse noch geschätzte 25 Gaststätten und Kneipen belebt sind. Die Frage, ob man noch etwas zu Essen bekommen könnte wurde aber 25x mit dem Hinweis, dass die Küche geschlossen ist verneint.

Tragweite

2011-04-09 025Wegen ihrer Tragweite oder auch Spannweite von 465 Metern ist diese Brücke nicht bekannt oder berühmt. Diese schon fast 114 Jahre alte Brücke 5000 Tonnen schwer, zusammen gehalten von  950 000 Nieten, an der höchsten Stelle 106 mtr. über dem Grund und ist somit die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands.

Zwischen Remscheid und Solingen führt sie über das Tal der Wupper.Wir haben sie jetzt am Wochenende besucht.

Herrliches Wetter, beste Voraussetzungen. Geschickt hat sich ergeben, dass die Veranstaltung “48 Stunden kunst & kultur” unter der Brücke statt fand. In den Gebäude und Zelten um die Brücken performten Künstler, zeigte ihre Bilder und Plastiken.

Vor uns auf dem Parkplatz, ein Bus voll Rentner aus dem schwäbischen Aalen. Auch diese zeigten sich sehr interessiert. Eine Frau mit Bodypainting lief über das Gelände, nicht ganz ungehemmt, wenn ich die Wortfetzen richtig verstanden habe.
Ihr Bemaler und sein Kumpel waren da doch besser drauf, die waren ganz scharf auf die nicht mehr ganz junge Braut. Die Rentnerin aus dem Aalener Bus: “Die hättet au a scheenere nemma kenna, do sieht mr so arg dr Bauchspeck” – so isch,s na au wieder.

Die Erbauer der Brücke waren sich der Tragweite, die Brücke nach Kaiser Wilhelm I zu benennen nicht bewusst, der aktuelle Kaiser Wilhelm II war darüber so enttäuscht, dass er die Brücke nicht eröffnete, nicht den goldenen Niet setzte und das Bauwerk erst 2 Jahre später offiziell besichtigte. Das Datum sieht man auf einer Gedenktafel.

Der Tragweite von Berichten über Suizid, Selbstmord ist Journalisten hinreichend bekannt. Viele wissen um den nach Goethes “Die Leiden des jungen Werthers” benannten Werther-Effekt, das heißt öffentliche Berichte über Selbstmord ziehen weiter Selbstmorde nach. Die lokalen Medien versuchen somit so gut wie nicht über Selbstmorde an der Brücke, die Menschen in einer seelischen Notlage anzuziehen scheint, zu berichten. Die Betreiber des Kiosks, die Bestatter und Polizisten, die sich um die Reste der Toten kümmern wünschen sich jedoch einen deutlich besseren Schutz vor Suizid, oder zumindest einen Schutz der sich unter der Brücke befindlichen Passanten.

..heute am 04.05.2011 ein kleiner Nachtrag: Artikel

Montag, 4. April 2011

tragisch

Ohne jetzt groß philosophisch werden zu wollen, ohne jetzt brutalst möglich Schreckensszenarien aufzeigen zu wollen. Tragisch ist ein Ereignis wenn es erstens Mitleid mit dem Betroffenen, zweitens aber auch Furcht um uns selbst auslöst.

Genug klug geschissen. Heute Morgen im Berliner “Der Tagesspiegel” online gelesen, ein Interview mit Bob Geldorf, Initiator von Life Aid, Gründer der Boomtown Rats, sowie Autor von “I don’t like Mondays”. Der hat doch was zu erzählen, Dinge die die Welt nicht wissen will. In diesem Fall, sogar deshalb besonders bemerkenswert, da er nicht einmal eine neue CD, eine Biografie oder wenigstens irgend etwas Marketingmäßiges zu verkünden hatte. In Ruhe betrachtet ist Bob Geldorf ein Hero for a Day. Ein One Hit Wonder.

Jetzt ist es aber so, dass Jegliches seine Zeit hat. Keiner käme auf die Idee einen Beaujolais Primeur (wem es nichts sagt bitte dem Link folgen) 30 Jahre zu lagern, dann zu erwarten, dass dies noch ein “großer” Rotwein wird. Niemand erwartet von Eberhard Ginger dass er 2012 bei den olympischen Spielen nochmal eine Medaille erringt. Und nur Mercedes Sportchef Norbert Haug glaubt daran mit Michael Schumacher nochmal Formel1 Weltmeister zu werden. Selbst Fußballer müssen im Laufe der Zeit erkennen, dass es Zeit wird. Keiner erwartet von einem Uwe Seeler, Hansi Müller, Pier Littbarski und wie sie alle heißen, dass sie ab einem gewissen Alter noch in der ersten Bundesliga mitspielen. Der Eine oder Andere findet noch einen Platz im fußballerischen Umfeld, wird Manager oder Trainer, verabschiedet sich aber aus dem aktiven Kickdienst.

Anders vor Allem Künstler, Musiker hatten vor 10,20 oder 100 Jahren Erfolg und danach fällt ihnen nichts Neues mehr ein. Spielen schon seit Jahren den gleichen Brei, entwickeln sich wenn überhaupt nur minimal weiter. Machen sich am Schluß doch irgendwie zum Affen.Tragisch

und so geht es uns dann: Mitleid mit den Betroffenen, dass die nicht merken, dass ihre Zeit vergangen ist, Angst, dass wir das für uns selbst nicht erkennen