Dienstag, 29. September 2026

Bahnstunden

Bordeaux sei nur – und jetzt kommt's – sei nur zwei Bahnstunden von Paris entfernt. Stand da tatsächlich, schwarz auf weiß, in einem Reisemagazin.

Stimmt sogar. Die Frage ist nur: Was ist eine Bahnstunde? Und, noch wichtiger: Was sind zwei?

Keine Zeit. Eine Strecke. Eine Norm gibt es nicht. Der Meter hatte wenigstens den Urmeter, Celsius den Gefrierpunkt. Die Bahnstunde hat den Fahrplan.

In Frankreich sind zwei Bahnstunden Paris–Bordeaux, gut 580 Kilometer. In Japan Tokio–Kyoto, gut 500, aber wer will schon nach Kyoto. In China ist der Hochgeschwindigkeitszug die S-Bahn: Peking–Tianjin, 120 Kilometer, eine halbe Stunde. In Deutschland: Stuttgart–Schwäbisch Gmünd, inklusive Schienenersatzverkehr, 50 Kilometer in 124 Minuten.

Kein Vorwurf. Jedes Land misst mit dem eigenen Maßband. Mit metrischem System, wohlgemerkt. Wer schneller fährt, hat die längere Bahnstunde. Wir haben halt die kürzere. Ist so.

Stunden, die keine sind, kennen wir ja. Die Schulstunde hat 45 Minuten, die Therapiestunde 50. Die Fahrstunde auch 45, kostet aber inzwischen 60 Euro, und man kommt damit knapp 10 Kilometer weit. Immerhin die einzige Stunde, die auf Sechzig kommt.

Nur die Uhr hält sich an die Norm. Zwei Minutenzeigerstunden: null Kilometer Der Zeiger kommt immer wieder am Ausgangspunkt an. Pünktlich. Man gewöhnt sich..

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